Kein Lettenbomber – Aber trotzdem vernünftig

„Und, was hälst du von unserem neuen Stürmer?“
„Hä?“
„Der Neue!“
„Haben wir einen verpflichtet?“
„Ja, Medizincheck jetzt.“
„Wer denn?“
„Rudnevs“
„Oh. Hmmmm…“

Bei der Verkündung des neuen Mannes letzte Woche, dürften die meisten Fans erstmal verhalten reagiert haben. Ganz zwangsläufig schießen einem erstmal Begriffe wie Chancentod in den Kopf. Schließlich ist es auch nicht ganz unbegründet, wenn man den Letten in den letzten Jahren gesehen hat. Manche haben deshalb auch Twitter auch gleich mal eskaliert und vom Untergang gesprochen.

Dabei macht das alles durchaus Sinn, was die Herren Stöger und Schmadtke veranstalten.

Sicherlich – und da wird es auch im Verein keine andere Meinung geben – haben wir hier nicht die Tormaschine schlechthin verpflichtet.
Aber das war hier auch nicht der Sinn. Im Vergleich zur letzten Saison, als wir unbedingt Ersatz für unseren Topstürmer benötigten gilt Rudnevs erstmal als Ergänzung. Und als Ersatz für Hosiner, der sich trotz Vorgeschichte und der stillen Hoffnung auf den großen Durchbruch am Geißbockheim nicht durchsetzen konnte. Wir reden hier also nicht vom ersten Stürmer, sondern von einem Backup.

Klar, da würde ich auch gern jemanden sehen, den man bedenkenlos reinwerfen kann und der einem locker zehn Buden verspricht. Aber hey. Woher nehmen und wie bezahlen. Diese Spieler sind nun mal begehrt und in Zeiten, in denen Ablösesummen ins Unermessliche steigen, finanziell nicht realisierbar. Trotz Gerhardt-Millionen. Und wirtschaftlich auch nicht vernünftig. Denn wenn du jetzt einen Goalgetter für mehrere Millionen verpflichtest (und vorher erstmal findest!), musste den ja fast schon spielen lassen. Das Geld legt man dann lieber woanders an. Schließlich gibt es noch andere Baustellen, die vorrangig geschlossen werden sollten.

Köln hat hier also einen Spieler verpflichtet, der ablösefrei (und sicher mit überschaubarem Gehalt) zu bekommen war. Jemanden, der zudem bundesligaerfahren (90 Spiele in den letzten vier Jahren) und – man mag es nicht glauben – bis zuletzt fast sowas wie eine Art Publikumsliebling war. Denn Rudi hat sich – trotz offensichtlicher Schwächen – immer reingehauen. Er hat zumindest Zug zum Tor entwickelt und für Unruhe gesorgt. Ich verstehe auch die Kritiker, die jetzt schreien, dass wir solche Leute schon hatten – mit Bard Finne sogar deutlich jünger und damit entwicklungsfähiger – und hier schon mehr Leid als Freude gefühlt haben. Und ich trage auch mit, ob es ein guter Einwechselspieler ist, wenn er eigentlich keine Tore erzielt. Halte da aber dagegen, dass er durch seine Art Fussball zu spielen Räume für Mitspieler reißt und nochmal Schwung bringen kann. Leute mitreißen, die dann vielleicht noch mal eine Schippe drauflegen. Eventuell auch mal als Nebenmann zu Modeste.

„Er ist für den Gegner ein unangenehmer Spieler, er kämpft, ist laufstark, sucht die Tiefe“, sagt der Trainer, und Schmadtke erklärt,  Rudnevs gebe dem FC „weitere Möglichkeiten im Offensivbereich“.
Und nochmal, der finanzielle Aspekt darf nicht vergessen werden. Nach dem Abgang von Hosiner dürften wir nicht draufgelegt haben, aber an Qualität nicht unbedingt verloren haben. Zudem sollen die Kölner bereits seit einem Jahr Interesse an Rudnevs gehabt haben. Mit meinem Urvertrauen in diesen EffZeh und die Führungsriege, wissen sie, worauf sie sich einlassen und dürften gute Gründe haben.
Obendrei erkennt man die klare Linie in diesem Sommer. Rudnevs kannste in die selbe Richtung schieben, wie vorher schon Höger und Rausch. Bundesligaerfahren, mehr als nur Ersatz für die Abgänge (Vogt, Svento, Hosiner) und damit gut für die Breite im Kader. Mit Potenzial auch Druck auf die Spitze zu erzeugen.

Auch Rudnevs: Denn was man gern vergisst ist das erste Jahr, dass der Lette an der Elbe hatte. Er kam neu hinzu und genoss das volle Vertrauen, dass er direkt mit zwölf Treffern (und vier Vorlagen) zurück zahlte.

Also alles halblang.
Und hoffentlich beruhigen sich die Kritiker, wenn Schmadtke davon spricht noch zwei „echte Verstärkungen“ verpflichten zu wollen: Einen Sechser und einen torgefährlichen Offensivmann. Keine Monsterquote, aber für eine erste Saison in einer neuen Liga nicht so schlecht. Was folgte, war das fehlende Vertrauen in ihn, deutlich weniger Spielzeiten, mangelndes Selbstvertrauen, mehr Kritik und damit schlechtere Werte. Hättehätte, aber wer weiß, wie wichtig Rudnevs beim HSV geworden wäre, wenn man ihn dauerhaft hätte spielen lassen. Vielleicht an einen Punkt, an den man ihn sich beim EffZeh nicht hätte leisten können oder wollen. Who knows.

Als kleinen Funfact für alle Kritiker (und geißelt mich nicht, wenn ich eventuell Äpfel mit Birnen vergleiche), aber die „Minuten für einen Scorerpunkt“-Statistik von Rudnevs in seinem ersten Bundesligajahr (151,38 Minuten) war besser als die von Modeste in seiner ersten Saison beim EffZeh (159,67).

Spiele Tor Vorlage Minute Minuten für Tor Minuten für Scorerpunkt
2012-2013 34 12 4 2.422 201,83 151,38
2013-2014 23 4 4 1.202 300,50 150,25
2014-2015 22 1 3 930 930,00 232,50
2015-2016 11 2 1 600 300,00 200,00
Gesamt 90 19 12 5.154 271,26 166,26
Anthony Modeste
2013-2014 29 12 4 1.626 135,50 101,63
2014-2015 26 7 2 1.299 185,57 144,33
Gesamt vor Köln 55 19 6 2.925 153,95 117,00
2015-2016 34 15 3 2.874 191,60 159,67
GESAMT 89 34 9 5.799 170,56 134,86

Auch wenn es sich immer noch etwas merkwürdig anfühlt, sehe ich in Rudnevs eine sinnvolle Ergänzung zum Kader.

Come on EffZeh!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.