Latte Macchiato-Eltern

Immer diese verdammten Vorurteile.

So, Hand auf’s Herz. Wer von uns hat noch nie einen Spruch über Latte Macchiato-Muttis gemacht.

Diese verachtenswerten Kreaturen, die tagein tagaus in irgendwelchen Cafés sitzen, frisch gestylt sind, die Sonnenbrille auf der Nase tragen, ihren Nachwuchs schaukeln und Kaffee-Spezialitäten schlürfen.

Dabei sollten sie doch, ähm, ja, was denn eigentlich? Zuhause sein. In der Küche stehen und kochen. Den Haushalt schmeißen. Das Kind zum Spielplatz bringen. Halt eine gute Mutter sein.

Das Problem mit den Vorurteilen ist ja, dass man selten weiterdenkt und nur den kurzen Augenblick betrachtet und verachtet. 

Doch spätestens wenn man selber Kinder (oder erstmal nur eines) hat, sieht man das anders. Und verflucht sich, dass man nicht schon vorher mal nachgedacht hat.

Denn keine Mutter sitzt nur lachend und trinkend im Café. Was man nicht sieht sind die nächtlichen Stillsessions, für die man immer wieder tiefschlafend dem warmen Bett entkrabbeln muss. Was man nicht sieht, ist das ständige Windelwickeln. Was man nicht sieht, ist das regelmäßige – oft eintönige – Spielen, Streicheln und Fördern. Was man nicht sieht, ist der sich auch als Mutter nicht von allein machende Haushalt. Was man nicht sieht, ist die Fürsorge, Sorge und Pflege. Was man vor allem nicht sieht, sind die anstrengenden und kräftezehrenden Momente.

Was man sieht, ist mal eine Stunde oder zwei, in der das Kind ohnehin frische Luft tanken soll. Das sind die Momente, in denen auch der Nachwuchs es genießt – und für die Entwickling benötigt – andere Eindrücke, Geräusche und Gerüche kennen zu lernen. Was man sieht, ist der pure Luxus der jungen Mutter, die auch mal etwas Erholung verdient hat und die dort im Café etwas wie einen Minikurzurlaub macht.

Wir waren heute auf dem Rückweg von der U3 für eine Stunde in einem süßen kleinen Café frühstücken und haben unseren Kleinen danach mit Sonnenbrillen bekleidet im herrlichen Sonnenschein nach Hause kutschiert.

Das war reinster (Erholungs)Balsam, in den letzten Wochen redlich verdient und es fühlte sich gut an Latte Macchiato-Eltern zu sein.

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