So innovativ ist die New York Times gar nicht

Jubel, Jubel, Applaus, Applaus.
Das ist die Zukunft der Onlinemedien.
Supersupergut.
Wenn nur deutsche Medien auch so viel Mut aufbringen könnten, wie die New York Times.

Was las ich auf dem Weg ins Büro für begeisternde Beiträge über die neue Homepage der NYT. Da wurde schon wieder ein Messias durch’s Dorf gejagt. Denn der vielleicht wichtigsten Zeitung weltweit ist eine bahnbrechende Idee gekommen. Wenn ich dem Artikel glauben schenken durfte, verzichten die Amerikaner (fast) vollständig auf Display-Werbung. Keine Banner mehr, dafür mehr nativveAds. Also Werbung, die wir Content getarnt ist. Verkaufte Beiträge nennt man das in der Blogosphäre und wird dafür schief angeschaut, wenn man das macht. Bei der NYT und der Medienwelt allgemein ist das alles großartig. An einigen Stellen auch längst eingebürgert und normal.

Ich habe gar nichts gegen gut gemachte Advertorials, Werbestrecken und nennen wir das alles NativeAds. Das ist super und optisch sicherlich schöner als Banner. Alles fein, wenn es auch als Werbung gekennzeichnet ist. Wie Google das findet, steht auf einer anderen Seite.

Worauf ich aber raus wollte.
Ich las also und dachte: WOW, die trauen sich was. Über nativeAds wird sicherlich gutes Geld reinkommen. Aber auf Bannerwerbung zu verzichten, die aktuell einfach noch einen Batzen Geld bringt, ist schon ein gewagter Schritt. Finde ich aber geil.

Dann kam ich im Büro an, öffnete die Webseite und stand vor der unübersichtlichen Startseite. Kleinteilig, überladen, so gar nicht modern und mit einigen Bannern. Viel Eigenwerbung, aber immerhin kein Blingbling.

nyt start

OK, dachte ich. Die Startseite ist auch immer schwierig und diese Festplatzierungen mag man sicher nicht so einfach aufgeben.
Also zack auf einen Artikel geklickt.
Schöner Artikel-Slider oben.
Dann kommt schon das erste Banner. Danach ein Artikel, der die ersten zehn Zeilen wirklich super aussieht. Gute Schrift, dezente social sharing-Buttons links, ein vernünftig großes Foto rechts. Bleibt nur die Frage, warum die Seite nicht responsov programmiert wurde und auf großen Bildschirmen rechts und links im Contentbereich so viel Freifläche hingenommen wird.

nyt artikel

Das wird dann weiter unten noch deutlicher.

nyt artikel2

Das finde ich enorm schade. Hier hätte man die Breite schön ausnutzen können und ein noch angenehmeres Lesen ermöglicht. Gerade, wenn Usability im Vordergrund des Relaunches gestanden haben soll.

Beim weiteren Scrollen folgen in der rechten Sidebar dann die bekannten Medium Rectangle.
Finde ich ja alles nicht schlimm.
Aber so innovativ finde ich das neue Design dann einfach nicht.

Es fehlen, zumindest auf den ersten Blick die ganz großen Werbeformen. Aber Displaywerbung macht auch weiterhin einen Faktor der Monetarisierung aus. Und nativeAdvertising ist wie gesagt auch kein neues Feld.

Da hatte ich mir mehr erhofft. Nach der morgendlichen Lektüre.

Damit man mich aber nicht falsch versteht. Ich finde Display-Werbung durchaus legitim und als Finanzierung von Webangeboten rundum gut. Warum auf den dicken Geldtopf der Kunden verzichten. Das wäre fahrlässig und dumm. Ich kann nur die zwischenzeitlichen Hypes und oberflächlichen, teils unwahren Stories in der Medienwelt nicht nachvollziehen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.