Vom Messias zum Aussortierten

Jahrelang galt Adil Chihi nicht nur als herausragendes Talent, sondern auch als großer Hoffnungsträger beim 1. FC Köln. Selbst dann, als er das Vertrauen immer wieder enttäuschte und man es eigentlich besser wusste. Nur gab es niemanden, an den man sich sonst krallen konnte. Irgendwie war er ja doch der Junge mit den tollen Anlagen, dem man eine so große Zukunft vorhergesagt hatte.

Nur beruhen Vorhersagen nicht immer auf Fakten, sondern sind meist auch mit Hoffnungen verknüpft. Erst recht bei einem Verein, der fernab seiner Erwartungen spielt. Ein Klub, der seine goldene Vergangenheit schon lange hinter sich gelassen hat und nicht den Eindruck machte, dass er bald wieder im Geschäft der Großen mitspielen würde. Wenn die Vergangenheit aber noch immer so präsent ist, sind Heilsbringer leicht identifiziert und glorifiziert.

Adil Chihi war so einer.
Spätestens als ein anderer Messias im Verein ihn mal mit einem der größten Fußballer des Erdballs verglich. Komplett überzogen. Was hier passte war das Anspruchsdenken und das Selbstbewusstsein, was deutlich nach außen getragen wurde. Mit der fußballerischen Realität hatte das nichts zu tun. Doch da war sie, die Hoffnung.
Die Hoffnung einen besonderen Spieler großzuziehen, der den Verein zurück in höchste Sphären führen wird.

Zwischenzeitlich blitzte sein Talent immer mal wieder auf. An mehr als sechs gute Partien am Stück kann ich mich jedoch nicht erinnern. Stattdessen hab ich oft geflucht, wenn er es mal wieder auf eigene Faust versuchte und besser postierte Nebenmänner übersah. Und dann kam auch noch Pech dazu. Als er geläutert schien, spielte sein Körper nicht mit. Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück und sorgten dafür, dass er vor dem Comeback von der Presse als Hoffnungsträger hochgejubelt wurde. Und viele machten mit. Auch ich ließ mich ein ums andere Mal blenden.

Damit ist jetzt Schluss.
Der Verein zieht einen Schlussstrich unter der Akte Chihi.
Der Offensivmann darf nicht mehr mit den Profis trainieren. Stattdessen wurde er in die zweite Mannschaft zurück gestuft. Dort darf er sich fithalten, um im Sommer dem 1. FC Köln endgültig den Rücken zu kehren. Er soll nie wieder für den EffZeh auflaufen. Das hat nicht nur sportliche Gründe. Chihi hätte sich zu viel geleistet, um weiter das Vertrauen geschenkt zu bekommen. Was im Winter nicht klappte, soll dann im Sommer in Erfüllung geben: Eine neue Mannschaft für Adil Chihi. Ein anderes Stadion, in dem er als Hoffnungsträger gefeiert wird.

Köln ist damit Geschichte.
Der EffZeh braucht diese Hysterie nicht mehr.
Und ich als Fan hoffe, dass wir keinen zweiten Adil Chihi in unseren Reihen halten. In Form von Mato Jajalo, der unbestritten ein großartiger Fußballer ist, der sein Potenzial jedoch nie im rot-weißen Trikot zeigen konnte. Ein Mittelfeldstratege, den ich mag und der jetzt wieder mit der Mannschaft trainieren darf…

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