Angetüdelt

Cruise Days in Hamburg. Wir stürzen uns ins abendliche Getümmel. Zumindest einmal raus. Den Hafen genießen. Den Blue Port sehen und vielleicht ein paar Fotos machen. Heimat nach dem Urlaub. Wir holen uns eine Wurst und platzieren unsere Körper auf einer der Holzbänke. Uns gegenüber sitzen zwei ältere Damen, die harmlos aussehen, dann aber schnell in krassen Omatalk überwechseln.

“Immer, wenn ich hier so sitze und mich umschaue, denke ich, dass von denen in 90 Jahren keiner mehr da ist. Alle tot”, posaunt die eine raus. Mehrmals. Betretenes Schweigen auf den Bänken. Ich denke “und du wirst die erste sein, die hier nicht mehr sitzt.” Dafür braucht es nicht mal mehr 90 Jahre.

Sie reden über ihn und sie. Kommen von dünner Statur auf Alkoholsucht. Könnte auch Krebs sein, der hat doch sowas, aber das kommt doch auch vom Krebs. Und die eine, die eine gebrochene Rippe hat, die wurde bestimmt verprügelt. “Du hattest doch mal von ihrem gewalttätigen Mann gesprochen.” “Nee, aber ich hatte das auch von Getrude gehört.”

Als es gegen die Jugend geht, die doch nur noch heulend in der Ecke sitzt, ziehen wir weiter.

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