Als Dopfer an Neureuther vorbeizog

Jahrelang war Felix Neureuther ein Einzelkämpfer. Wenn deutsche Skifahrer sich die Piste herunter stürzten, konnte man als Zuschauer wenig erwarten. Es sei denn, Neureuther war am Start. Der talentierte Alpine mit den unglaublichen Genen war zwar nicht konstant, aber immer für eine Überraschung gut. Besonders im Slalom konnte man immer große Hoffnungen haben, dass er bis auf das Podest fuhr.

Oft wurde man enttäuscht. Aber nicht immer. Und das war das Wichtigste, weil man sich sonst an wenig klammern konnte im deutschen Ski Alpin der Herren.

In dieser Saison wandelte sich das Bild ein wenig. Auf einmal tat sich ein zweiter Fahrer auf, in die Weltspitze einzubrechen. Endlich wollte man meinen. Aber noch rechtzeitig. Ende letzten Jahres 2010 raste der heute 28-jährige auf das Super G-Podest von Gröden und landete danach noch weitere Top Ten-Platzierungen. In den schnellen Disziplinen erhoffte sich Keppler für die anstehenden Weltmeisterschaft im eigenen Land Medaillenschancen. Dann verletzte er sich schwer und musste die Saison vorzeitig beenden.

Es schien damit wieder auf eine Ein-Mann-Show hinaus zu laufen.

Neureuther war die Sturmspitze, die leider enttäuschte. Doch in seinem Schatten hatte sich im gesamten Saisonverlauf ein weiteres Talent nach oben gekämpft. Fritz Dopfer sammelte regelmäßig Weltcuppunkte. Für den ganz großen Sprung langte es nicht, aber der 23-jährige konnte immerhin acht Top 20-Platzierungen feiern. Im zweitklassigen Europacup reichten vier Podestplätze für Position vier in der Gesamtwertung.

In der Weltspitze konnte er als Zwölfter im Riesenslalom von Kranjska Gora (5. März 2011) auf sich aufmerksam machen. Bei der Heim-WM 2011 wurde er in der selben Disziplin 15. Mit dem Deutsch-Österreicher, der bei den Junioren keine großen Erfolge gefeiert hatte dürfte in der nächsten Saison zu rechnen sein.

Dopfer hat sich zuletzt stetig verbessert und könnte somit der zweite Trumpf im Ärmel der deutschen Technikfahrer sein. Die erste Top Ten-Platzierung ist in Reichweite und nur noch eine Frage der Zeit.

Konkurrenz, die Neureuther gut tun sollte. Gewarnt ist die Nummer eins im Herrenteam des DSV allemal. Bei der alpinen Ski-DM in Berchtesgaden musste er sich im Slalom Dopfer geschlagen geben.

Kehrt auch Keppler in der nächsten Saison in den Weltcup zurück, hätte der Deutsche Skiverband nicht nur bei den Damen Fahrer am Start, die ernsthaft um die Topplatzierungen mitfahren können. Neureuther wäre nicht mehr der Einzelkämpfer. Vielleicht fällt damit eine große Last von seinen Schultern, die ihm bisher die Konstanz geraubt hat.

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