Keine kurzfristige Lösung

Lucien Favre also. Der Schweizer soll den Klassenerhalt mit Borussia Mönchengladbach schaffen. Nach derTrennung von Michael Frontzeck präsentierten die Fohlen den ehemaligen Trainer von Hertha BSC. Favre soll die Initialzündung auslösen, damit die Spieler wieder in die Spur finden und dem aktuellen Tabellenletzten doch noch der Klassenerhalt gelingt.

Nur wie das zu schaffen sein soll, ist das große Rätsel.

Der Rückstand von sieben Punkten auf den Relegationsplatz ist sicherlich schon groß, aber bei noch zwölf ausstehenden Spielen jedoch nicht unüberwindbar. Die Frage ist eher, welche Teams Gladbach noch hinter sich lassen kann. Denn die Konkurrenz um den Klassenerhalt ist so namhaft, wie wohl noch nie.

Der VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg und Werder Bremen kämpfen noch gegen den Abstieg. Mannschaften, die man vor der Saison gut und gern im oberen Drittel angesiedelt hätte. Ein Team dieses Quartetts wird es wohl treffen. Wahrscheinlich. Aber die Qualität der Mannschaften sollte ausreichen, um die Borussia hinter sich zu lassen.

Der 1. FC Kaiserslautern ist damit der letzte aktuelle ganz heiße Anwärter auf einen der letzten drei Positionen. Sportlich auf einer Stufe mit Mönchengladbach. Und sonst? Eintracht Frankfurt stürzt aktuell bedrohlich ab. Parallelen zu zwei Abstiegen werden deutlich. Für die Eintracht wird es noch eng. Der Vorsprung auf Gladbach beträgt allerdings schon elf Zähler.

Der 1. FC Köln und der FC St. Pauli befinden sich im aktuellen Aufwind. Gerettet sind sie sicher noch lange nicht. Der Vorsprung auf die Fohlen beträgt aber immerhin schon neun bzw. zwölf Punkte. Ein dickes Polster. Schlecht für Gladbach.

Die größten Sorgen müssen sich die Fans aber trotz allem wegen ihrem neuen Trainer machen. Lucien Favre ist zweifellos ein absoluter Fachmann. Ein guter Trainer, der sich für die Borussen noch als Glücksgriff entpuppen dürfte. Aber schon in der Saison 2010/2011?

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hebt seine Erfolge in den Vordergrund. Er kann eine Mannschaft formen und junge Spieler einbauen. Doch das sind Eigenschaften, die Zeit brauchen. Zeit, die Mönchengladbach im Abstiegskampf nicht hat. Die Grundvoraussetzungen dafür sind aktuell nicht gegeben.

Schon beim FC Zürich und bei Hertha BSC war das deutlich zu erkennen. Favre hatte Erfolg. Mit dem FCZ wurde er zwei Mal Meister. In Berlin eroberte er Rang vier. Doch dafür benötigte er ein oder zwei Jahre Aufbauarbeit. Eine Zeit, in der ihm – besonders in Berlin – rauer Wind entgegen blies.

Kurzfristiger Erfolg gelang Favre bisher nie. Er betont, dass er sich weiterentwickelt hätte, dass er die Bundesliga auswendig kenne. Aber diesen Beweis bleibt er erstmal schuldig. Er steht unter Druck. Von Anfang an.

Vielleicht eine zu große Hürde. Wenn ich eine Prognose abgeben müsste, bin ich mir sicher, dass Gladbach absteigt. Glücklicherweise hat Favre einen Vertrag bis 2013 unterschrieben. Für die erste und die zweite Liga. Dort, im Unterhaus hätte er die beste Gelegenheit eine neue, junge Fohlenelf aufzubauen. Nach einigen Monaten erster Liga, dürfte er Klub und Umfeld genügend kennen, um mit einer herzerfrischenden Mannschaft 2012 den Wiederaufstieg feiern zu können.

Um dann in der Saison 2012/2013 auch mehr zu überzeugen, als 2010/2011. Spätestens dann dürfte Lucien Favre als gute Verpflichtung und echter Glücksgriff angesehen. Aber erst dann und noch nicht im Sommer 2011.

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