Drittes Eigentor, dritte Niederlage

Was soll man sagen. 1:3 in Hamburg. Mein Tipp. Da kann ich normal nicht meckern. Das war einkalkuliert. Wenn dann wenigstens die Einstellung gestimmt hätte. Hat sie aber nicht. Köln zog sich weit zurück. Verständlich. Gerade in der Anfangsphase, wo man ja eigentlich weiß, dass die Hamburger zuletzt fulimant gestartet sind und das schnelle Tor suchen. Da muss erstmal die null stehen. Ist OK, mecker ich nicht. Unverständlich, dass dem HSV da relativ wenig einfällt und gerade ein Elia gar nicht so aufdreht, wie es befürchtet hatte. Gut für uns. Das ist halt unsere Taktik. Gegen einen starken, fast übermächtigen Gegner zuerst die Defensive stärken und dann nur vereinzelt die Flucht in einen Konter setzen. Nicht schlimm. Unverständlich dann aber, wenn der Trainer nach Spielende spricht und sagt: „Meine Mannschaft war zu ängstlich.“

Das stimmt wohl so, da braucht man kein Fachmann sein, um das zu verstehen. Doch woher kam diese Ängstlichkeit? Ist doch klar. Von der Taktik. Wenn du eingedrillt bekommst die null zu halten, dich zurück zu ziehen, tief zu stehen und erst an der Mittellinie anfangen sollst langsam mal den Gegner zu stören, dann kannst du gar nicht anders, als ängstlich zu wirken. Irgendwie innerhalb weniger Sekunden den Schalten umkippen und fröhlich nach vorne zu spielen. Kaum möglich. Erst recht, wenn man mit einem Punkt aus drei Spielen im Tabellenkeller steht.

Grundsätzlich war die Maxime klar und verständlich. Hinten dicht machen und dann schnell nach vorne.
Was hinten klappte, lief in der Offensive allerdings überhaupt nicht gut. Selbst vorne hatte keiner den Mut mal einen Abschluss zu suchen. Warum nicht? Ich versteh es nicht. Wenn man Leute, wie Poldi und Nova hat, sollte man auch im Angriff etwas bewegen können. Köln kann es nicht. Nova hängt in der Luft. Weil ihm, wie schon so oft in der letzten Saison der Sturmpartner fehlte. Freis bemühte sich, aber konnte nichts reißen. Sein Gegenüber tauchte gänzlich ab.

Was ist los mit Podolski?
Es hieß immer, er fühlte sich in München nicht wohl, kaum unterstützt und hing deshalb durch. In Köln sollte alles ganz anders werden. Doch wenn ich ihn gestern so rumtraben sah, muss man meinen, dass auch in Köln etwas nicht stimmt. Fehlt ihm der nächste Krachertransfer? Hat er Probleme mit Novakovic? Ist er neidisch auf die Portugiesen? Ich habe keine Ahnung. Die Fans lieben ihn. Für den Verein ist er das Gesicht. Die Gegner sprechen fast ausschließlich über ihn. Köln ist seine Stadt, dort sind seine Freunde, seine Familie. Und doch hat er irgendein Problem.

Kein Biss. 90 Minuten lang vielleicht nur zwei ehrliche Antritte. Kein Biss beim Abschluss. Kein Feuer. Keine Anstalten, um sich bei eigenem Ballbesitz mal als Anspielstation anzubieten. Er trabt rum, taucht unter, versteckt sich. So belegt er nur einen Platz, aber hilft nicht weiter. Dabei braucht die Mannschaft ihn gerade jetzt. Wenn er so weiter macht, verspielt er nicht nur die WM, sondern auch viele Sympathien im Block.

Katastrophaler waren gegen die Rothosen allerdings unsere defensiven Außen. Bei Brecko habe ich immer mehr das Gefühl, er wäre weiter vorn besser aufgehoben, da er sich defensiv doch noch mal viel zu leicht überrumpeln lässt. Viel krasser aber die linke Seite. Hier muss Soldo endlich reagieren. Name hin oder her, Womé gehört aktuell auf die Bank. Kaum ein Antritt, er scheint zu alt zum Sprinten und verliert jedes Duell. Seine Offensivbemühungen beschränkten sich zu 90 Prozent auf einen Lupfer gen Eckfahne. Dass davon 90 Prozent nichts erbrachten, sei’s drum. In den Zweikämpfen wurde mir stets mulmig… erst recht nach dem 0:1. Da hat der Typ alle Zeit und Gelegenheit den Ball einfach lang und weit raus aus der Gefahrenzone zu kloppen, da versucht er noch mit zwei unnötigen Haken seine Gegenspieler auszutricksen, kommt dabei selbst ins Stolpern und verliert das Leder. Danach war alles Formsache. Guerrero setzt den Körper gut ein und versenkt… für mich ein gefühltes Eigentor. Hätte Womé da nicht so einen Scheiß fabriziert, wäre nichts passiert und beide Teams torlos in den Katakomben verschwunden.

Bitter. Aber beim HSV scheint man geahnt zu haben, dass von Womé keine Gefahr zu erwarten war. Im Hamburger Rückwärtsgangs blieb die rechte defensive Flanke oft unbesetzt. Der Kameruner hatte so extrem oft so extrem viel Platz, dass er alles machen konnte. Er tat nichts und vergab diesen Vorteil. Ganz traurig. Wenn dann der Ball trotz aussichtsreicher Lage lieber zurück, statt nach vorne oder zumindest quer gespielt wurde, sagt eigentlich alles.

Auch nach dem Seitenwechsel nichts Neues. Die Gastgeber versuchten mehr, wirkten aber nie übermäßig gefährlich. Stattdessen halfen die Kölner mal wieder mit. Wie ein Hühnerhaufen stehen sie im Strafraum, kriegen den Ball nicht weg, servieren ihn stattdessen Guerrero auf dem Silbertablett, fälschen den Schuss netterweise auch noch ab und das Ding ist durch. 0:2. Da kann man nichts mehr erwarten.

Klarer Fall von denkste. Chihi kommt, sorgt für Schwung und hämmert das Leder keine 120 Sekunden später in den Winkel. Traumtor und die Initialzündung. Endlich wachen die Geißböcke auf, spielen mutig nach vorne. Auf einmal gewinnen sie Zweikämpfe, die Pässe kommen an und man sucht den Abschluss. Leider ist das Tor ein wenig klein und die Hamburger dann doch clever genug. Zé Roberto wird geschickt, kann den Ball nicht mehr erreichen, nimmt aber Mondi’s Geschenk gern an, wird gelegt, bekommt den Elfer und lässt Trochowski verwandeln. 1:3 und tschüß.

Bitter. Der HSV war nicht überragend. Der Sieg ist verdient, aber mit etwas mehr Cleverness und Druck nach vorne (wie nach dem 1:2) wäre hier vielleicht sogar ein Punkt drin gewesen.
Hätte, wenn und aber… was bleibt sind null Punkte und die rote Laterne.

Jetzt gilt es in der Länderspielpause neue Energien für Teil zwei des Hammer-Startprogrammes zu tanken und sich etwas für die defensiven Flügel zu überlegen, sowie Poldi auf die eigentliche Aufgabe einzustimmen. Sei’s mit Streicheleinheiten oder einem Einzelgespräch. Mir egal, hauptsache es passiert endlich etwas.

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