Was irgendwie ätzend war – und dann doch nicht

Feierabend. Im Tross der Pendler bewege ich mich schnelleren Schrittes zum Gleis. Vor mir nestelt jemand an seinem Rucksack. Gerade als er hochblickt, fällt ein kleines Medikamentenfläschchen aus seinem Rucksack und zerschellt auf dem Beton.

Ich sehe im Vorbeigehen zu und trotte weiter. Als ich noch denke, ob man ihn darauf aufmerksam machen soll, höre ich hinter mir, wie jemand schon darauf hinweist. Im nächsten Augenblick rennt dieser jemand rechts an mit vorbei. In seiner Hand das Fläschchen. Er hält es dem Vorweggehenden hin, der es kopfnickend annimmt.

Direkt zerfrisst mich das schlechte Gefühl, dass ich nicht der Helfende war. Was wäre, wenn er gleich einen Anfall bekommt und dieses Mittel unbedingt benötigt.

Noch bevor ich zuende denken kann, dreht der Typ vor mir nach links an. Und wirft das kaputte Fläschchen in die Tonne. Rechts bleibt der Helfende verdutzt stehen. Er wischt sich die feuchten Hände an der Hose.

Ich gehe zwischen ihnen hindurch und steige in die Bahn.

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