Lieber Frank Buschmann, liebe Buschi-Hater

Schon einige Male hatte ich in den letzten Wochen einfach nur Buschi in meine Todo-Liste geschrieben, um den Punkt dann nach Tagen doch wieder abzuhaken. Mein Drang über den polarisierenden Sport-Kommentator war dann wieder verflogen. Doch die letzten Monate können nicht einfach von meiner Feder immer wieder weggestrichen werden. Was raus muss, muss raus. 

Manche haben das auch getan. Oftmals jedoch nur in eine Richtung. Rechtfertigend. Ermüdend. Ätzend! Vor Monaten, es muss ein Jahr her sein, ich hatte noch einen anderen Arbeitgeber, hatte ich mir vorgenommen mich nicht immer zu rechtfertigen. Standpunkt vertreten. Ja. Zu Gesagtem stehen. Ja. Aber Auswege suchen und die Schuld bei anderen suchen. Nein. Nicht mehr. 
Bei den ganzen Diskussionen dreht es sich jedoch immer wieder genau darum. „Ihr kritisiert mein Wissen. Aber der andere, der Profi hat das später auch so gesagt. Nehmt das!“ „Du krakeelst doch nur rum und machst nichts für uns. Wir lieben diesen Sport. Seit Jahrzehnten.“ Viel zu selten „Ich mag nicht die Art, wie ihr das macht. Aber der Erfolg gibt euch recht.“ Da haken Parteien aufeinander rum, die sich gar nicht gegenseitig ansprechen. Das wäre, als wenn ich über „Autoschrauber herziehe, weil die mein Fahrrad nicht reparieren können.“ 

Was soll der Scheiß? Habt ihr genug Zeit und Energie für den Kindergarten? Macht eure Sachen. Denn die macht ihr gut. 
Alle Footballfans, die sich seit Jahren und Jahrzehnten mit dem Sport in aller Tiefe beschäftigen, beneide ich sehr. Da sie so viel Wissen von dem Sport haben, das mir abgeht, obwohl ich Football selber mag. Es ist großartig, wie die GFL begleitet und supported wird. Es ist einzigartig, wie Spiele analysiert werden. Ich ziehe meinen Hut und verneige mich tief. 
Buschi weiß, dass er ein kleiner Prinz ist, der nach den Sternen greift und sich begeistern lässt. Er spielt damit, dass ihn nicht jeder mag. Das muss man nicht mögen. Aber seine Rants wirken nicht gänzlich gespielt, sondern durchaus authentisch. Vor allem aber hat er geholfen, American Football in Deutschland auf eine breitere Stufe zu heben. Quoten unterstreichen das. Ich schaue aber eher auf mein Umfeld, in dem Leute auf einmal den Sonntagabend mit ProsiebenMAXX verbringen, die vorher nichts mit dem Sport zu tun hatten. Weil endlich mal jemand ihre Sprache gesprochen und ihnen das Geschehen leicht bekömmlich erklärt hat. American Football ist selbst in den USA Entertainment. Das habe ich in Denver hautnah erlebt. Natürlich dreht sich da drüber mehr um Zahlen und Hintergründe. Aber wen interessieren diese Details, wenn man erstmals mit dem Sport in Berührung kommt? Eben! Da geht es um Unterhaltung und Einordnung. Und das hat Buschi geschafft. Das hat das gesamte Team erreicht. Die Hardcorefans waren von Beginn an nie die Zielgruppe.
Das einzugestehen, ist sicherlich schwer, wenn man den Sport so sehr liebt. Aber die Leistung sollte doch anerkannt werden. Ob man das Wie mag odee nicht. Und im Gegenzug die Kritik immer wieder aufzunehmen, gar zu provozieren und Spitzen zu verteilen, wie Buschi das gern tut, ist genauso dämlich. Erst recht, wenn es direkt gegen Sofa-QBs geht, die ihre Freizeit dem Sport widmen. 
Ihr werdet nie auf einen Nenner kommen. Akzeptiert die Parallelwelten, in denen ihr euch bewegt. Oder lehnt euch mal zurück und denkt darüber nach, ob der Gegenüber keinen großartigen „Job“ erledigt. Für seine Zielgruppe. 

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