Tristesse und Hoffnung im Regen

Der regelmäßige Leser dürfte wissen, dass ich Fußball anders kommuniziere, seitdem wir zu dritt sind. Ich sehe Spiele viel seltener live. Dafür lese ich Blogbeiträge (der vierte Offizielle, effzeh.com etc) viel intensiver und lausche den Worten in der Podcasts (Bockcast, Rasenfunk) noch aufmerksamer. Daran ändert auch ein Derby nichts.

Anstatt auf dem Sofa, in der Kneipe oder im Stadion zu sein und mitzufiebern, schob ich den Kinderwagen durch unser Viertel. Regen prasselt auf meine Kapuze, wie damals in Bern auf die Köpfe unserer ersten deutschen Weltmeister. Statt Bewegtbild bringt der sport1.fm Kommentator die Partie mit Worten in meinen Kopf. Als ich den Livestream einschalte, steht es bereits 0:1. Wie passend denke ich, als mir der Regen wieder einmal mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. 

Allein geh ich durch die Siedlung, während es sich alle Nachbarn im Wohnzimmer vorm Kamin gemütlich machen. Dann bin ich immerhin allein. Mit den Kommentator und meinen Gedanken. Ich frage mich, warum Stöger von der Anfangstaktik der letzten Spiele abgewichen ist. Der Start gegen Frankfurt und der kurzfristige Ausfall von Mavraj liefern Antworten. Warum der EffZeh jegliche Form von Aggressivität, Sicherheit und Stabilität vermissen lässt, kann mir bis jetzt niemand beantworten. Weil es dafür keinen offensichtlichen Grund gibt. Ist manchmal so. So unerklärlich es nach den letzten Wochen auch bleibt. Aber solche Spiele werden wir immer mal wieder haben. Eigentlich kein Beinbruch. Generell auch nicht, dass man gegen Gladbach verliert. Passiert schon mal.

Am Ende war es auch verdient. Wegen der ersten Hälfte, in der Gladbach drückend überlegen war und Köln unterirdisch auftrat. Stöger tat zur Halbzeit, was er tun kann. Er stellte um. Massiv. Jojic ersetzte Osako, was im Gegenzug aber die Hälfte aller Positionen, die Taktik und die Ausrichtung veränderte. Nachdem die Missstände schon während der ersten Halbzeit so offensichtlich schienen, könnte man sich lediglich fragen, warum gewisse Anpassungen nicht schon vorher vorgenommen wurden. Sei’s drum. Danach lief es wesentlich besser. Die Mannschaft ging früher drauf, kam besser in die Partie und entwickelte auf einmal Zug zum Tor. Jojic brachte immerhin mal eine neue Komponente in die Begegnung und versuchte sich aus der Distanz. Die Hoffnung lebte. Für die Partie, aber auch für Jojic in der Zukunft. Mit Glück wäre ein Punkt noch möglich gewesen. Aber Yann Sommer im Borussen-Tor hielt, was zu halten war. Und nach der ersten Halbzeit wäre es nicht wirklich verdient gewesen.

Aber immerhin hat die Mannschaft mal wieder Moral bewiesen. Zudem unterstrichen sie, wie flexibel und taktisch weiterentwickelt sie mittlerweile sind. Das macht Spaß und ließ mich auch im Regen nicht in völliger Trauer versenken. Die Unzufriedenheit war kurz nach Abpfiff eh verflogen. Als #spielfeldrändchen aufwachte und mich mit strahlenden Augen anlächelte. War was?

Come on EffZeh

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