Reflexion statt Wachrütteln

Peter Stöger bringt durchaus gute Ideen mit und lässt den glorreichen EffZeh spielen, wie es sich Pep Guardiola bei den auch nicht ganz zu verachtendem FC Bayern München vorstellt. Bei Ballbesitz mit extrem hochstehenden Außenverteidigern, die ins Mittelfeld vorrücken. Der Sechser lässt sich im Gegenzug fallen, ist zentraler Anspielpunkt und Aufbauspieler. Zwei Achter bieten Anspielstationen in der Mitte und ziehen dann mit wenigen Ballkontakten nach vorne, um entweder Mitspieler einzusetzen, den Ball auf die Flügel zu legen oder selbst den Abschluss zu suchen. Die offensiven Außen ziehen entweder bis zur Grundlinie oder – wenn die etatmäßigen Außenverteidiger diese Lücke sehen – ziehen sie weiter in die Mitte, um im Strafraum für Unruhe und Überzahl zu sorgen sowie abzuziehen. Das alles mit hohem Ballbesitz und kräftigen Rochaden.

Beim FCB gelingt das schon sehr sehr ansehnlich, wenn sie die Konzentration hochhalten. Beim 1. FC Köln sind nur Ansätze zu erkennen. Ansätze – wenn auch anderer Art – gab es auch unter Stani und sogar Solbakken zu erkennen. Das reicht nicht, um in der zweiten Liga mitzuhalten, geschweige denn die Aufstiegsplätze anzupeilen.

Gegen Paderborn ließ die Mannschaft wirklich alles vermissen. Ich konnte – trotz des späten Ausgleichstreffers – nichts Gutes im Spiel erkennen. Und ein „sie haben sich aber nicht aufgegeben“, mag ich bei einer Profimannschaft irgendwie nicht hören. Sicherlich ist Moral nicht selbstverständlich, aber bei einem 0:1-Rückstand die Regel und darf verlangt werden.

Darüber hinaus, kam vom Team echt gar nichts. Defensiv durchaus wackelig und mit Glück gesegnet, dass der SCP das verdiente 2:0 nicht erzielt hat. Im Aufbauspiel… ach nee, warte, das gab es ja gar nicht. Aufbauspiel bestand aus weiten Bällen. Wurde es mit flachen Pässen versucht, fehlte meist die Präzision im Passspiel. Oft hatten der ballführende Spieler keine Anspielstation, weil zu wenig Bewegung herrschte. Wenn doch ein Abnehmer gefunden wurde, geriet der zwangsläufige Pass entweder zu ungenau oder zu kurz oder zu lang. Dadurch konnten wir gar keinen dauerhaften Druck ausüben, der wirklich Gefahr ausstrahlte.

„Man muss Zweikämpfe führen. Wir erzeugen keinen Druck auf den Ballführenden, dadurch kriegt der Gegner Räume“, lautet sein erster Ansatzpunkt. Zudem fehlt ihm bei vielen Akteuren der Mut, sich mit Ball „in Richtung Tor zu drehen.“
Jörg Schmadtke

Es bestätigt sich, was ich vor der Saison erwartet hatte.
Stotterstart, weil uns die Durchschlagskraft im Offensivspiel fehlt.
Nicht, weil kein Stürmer vorhanden ist. Ujah mit Backup Pritsche sollten für die Liga zwei mit nur einem Stürmer reichen.
Aus dem Mittelfeld kommt zu wenig. Halfar ist bemüht und gefällt mir gut. Risse versucht viel. Für Thiel ist es noch zu früh. Gerhardt wurde recht schnell rausrotiert (auch wenn der Zug sicher noch nicht abgefahren ist), Jajalo bringt alle Anlagen mit, aber ruft die nicht ab, Matuschyk steht sich selbst im Weg. Ertrag = null.

Es dauert also tatsächlich bis zur 76. Spielminute, dass der effzeh eine wirklich gute Torgelegenheit aus dem Spiel heraus erspielt.
via effzeh.com

Wenn uns nicht noch ein Schnäppchen über den Weg läuft, wird Stöger mit dem Team weiterarbeiten müssen.
Was an sich kein Problem darstellen sollte, weil der Kader für die zweite Liga überdurchschnittlich besetzt scheint.
Aber der Trainer muss hier das optimale aus den Spielern herauskitzeln.

Im Spiel sehe ich da leider schwarz.
Ihm gelingen wohl ganz gute Halbzeitansprachen und frühe Auswechslungen (zur Halbzeit) als klares Signal sind zu befürworten.
Doch während der Ball läuft wirkt er auf mich hilflos.
Fast teilnahmslos steht er am Spielfeldrand.
Ich brauche keinen Kasper, der die Linie auf und ab tigert. Aber wenn das Spiel sichtbar hakt, dann erwarte ich vom Übungsleiter, dass er eingreift. Anweisungen müssen her, Kommandos und Korrekturen. Da sehe ich leider nichts.

Stöger ist hier eher der Analytiker.
Das beweist er regelmäßig bei Facebook mit seinen ausführlichen, ehrlichen und präzisen Analysen.
Das ist wichtig in der Nachbereitung.
Doch wenn dafür die Partie verfolgt, wie ein Autor von Spielverlagerung, sollte wenigstens sein Co ein Aktivposten neben dem Platz sein.
Sicherlich, am Fernsehbildschirm sieht man den Trainer nur selten und vielleicht tobt er immer dann in seiner Coachingzone und treibt an, wenn die Kamera nicht auf ihn gerichtet ist. Kann ich mir aber bei seinem Wesen nicht vorstellen.
Ich erhoffe mir hier trotzdem eine Verbesserung.

Peter Stöger meinte ja irgendwie, dass es schon sein könne, dass das mit dem Wunsch vom Aufstieg nichts werde, wenn man so spielte. Und Jörg Schmadtke, das war meiner Meinung nach übrigens der beste FC-Moment des Wochenendes, bemerkte, er werde sich jetzt „nicht zum Kasper machen“ und nach so einer Leistung vom Aufstieg reden.
via loeer.de

Und damit man mich nicht falsch versteht: Das soll kein Trainerbashing sein, auch nicht der leise Anfang von ihm. Ich finde ihn durchaus gut (hauptsächlich in der Analyse) und kann seine Idee vom Spiel komplett mittragen. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Kontinuität. Nur so kann etwas wachsen und der Verein wieder nach oben kommen.

Doch unser aktuelles Problem ist aus meiner Sicht kein reines Problem der Spieler. Der Trainer hat in meinen Augen durchaus noch Defizite.
Wobei das größte Problem durchaus der Kader ist und hier muss man sich fragen, ob er richtig zusammen gestellt wurde.
Ich denke hier nur an Peszko. Ein wahrscheinlich eher politischer Deal. Sportlich wie von mir schon geschrieben nicht nachvollziehbar. Hier hätte man den Kader auf anderen Positionen verstärken sollen.

Verloren ist aber noch lange nichts.
Die Mannschaft hat die Qualität für eine Siegesserie und den Aufstieg.
Im Moment sind uns hier andere Mannschaften aber schon weit voraus.

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