Die Systemfrage

Gestern kam bei Twitter mal wieder die Systemfrage auf. Hatte Holger Stanislawski einfach keinen Plan, um aus dem Kader das notwendige rauszuholen, um doch aufzusteigen und macht Peter Stöger jetzt alles richtig. Grund war ein Interview mit unserem neuen Trainer, in dem er erklärte, dass man mit den erzielten Toren nicht aufsteigen kann und hier ein falsches System entwickelt wurde, um noch torgefährlicher zu werden.

Dann müssen wir ein System wählen, mit dem wir in der Lage sind, mehr Tore zu erzielen, als das vorher der Fall war. Das war das Manko.

Worüber wir nicht streiten brauchen ist, dass wir zu torungefährlich waren. Hier ging echt nicht viel und einige Punkte und Siege wanderten nur durch dann doch glücklich erzielte Tore und hart verteidigte Duelle auf unser Konto. Allerdings war es auch so, dass das Spielermaterial fast nicht mehr hergab. Potenzial, gut und schön. Aber wenn die Möglichkeiten (noch) nicht ausreichen, hast du als Trainer ein Problem. Welcher Spieler vom EffZeh hat denn letzte Saison dauerhaft Torgefahr ausgestrahlt? Selbst Ujah lieferte oft ganz miese Partien ab, in denen du nie und nimmer gedacht hast, dass er Stürmer ist und überhaupt weiß, wo das Tor steht. Da steckte zu wenig in den Spielern. Das allein auf das System zu schieben finde ich zu einfach.

Stani hat Fehler gemacht, das mag ich nicht abstreiten. Im System und den Aufstellungen. Die Spieler scheinen ihm die Entscheidung aber auch nicht abgenommen zu haben, indem sie durch besondere Aktionen auf sich aufmerksam gemacht haben. Stöger will nun offensiver auftreten. Fünf bis sechs Spieler sollen nach vorne denken. Das ist ihm aber sicherlich auch nur möglich, weil wir letzte Saison die Defensive stabilisiert haben. Das sah größtenteils gut aus und Stöger lobt aktuell auch die Abwehrarbeit und vertraut auf die geschaffene Basis. Das ist das Werk von Stani. Ich mag mal prognostizieren, dass der EffZeh letzte Saison Probleme bekommen hätte, wenn er offensiver aufgetreten wäre. Dann wäre hinten mehr angebrannt und vorne. Tja, da fehlte halt die Durchschlagskraft. Vielleicht wäre sie gekommen, wenn man dauerhaft offensiv aufgelaufen wäre. Nur von wem? Und wie viele Tore hätten wir im Gegenzug kassiert? Vielleicht hätten wir in diesem Sommer eine Abwehrdiskussion!

Das ist Teil der Entwicklung. Die in Teilen neue Abwehr (Horn, Maroh, Hector) hat sich im letzten Spieljahr gefunden, eingespielt und sich Selbstvertrauen erarbeitet. Auch dank zweier Sechser und einer eher verhalteneren Spielweise. Stöger kann auf dieses Bollwerk (blödes Wort!) zurückgreifen. Die „Routine“ und das Vertrauen im Abwehrverbund kann er nutzen, um offensiver zu denken. Weil wir hinten sicherer stehen. Auch vom Kopf.

Zeit, nach vorne zu denken… ob das mit Stanislawski möglich gewesen wäre, steht auf einem anderen Zettel. Interessiert jetzt aber auch gar nicht mehr…

Je nachdem, welche Qualitäten die beiden neuen Offensivkräfte, die noch verpflichtet werden sollen mitbringen, entscheidet sich das System.
Ein 4-3-3 soll es werden, das im Rückwärtsgang in ein 4-1-4-1 umgestellt wird. Die offensiven Außen lassen sich dann fallen, müssen also auch im Rückwärtsgang agieren können. Bei Risse absolut möglich, bei einem Chihi eher schwieriger.
Dabei möchte Stöger gern nur noch mit einem Sechser auflaufen.

Nach aktuellem Stand könnte die neue Elf dann so aussehen:

Horn
Brecko – Maroh – Bruno – Hector
Lehmann
Matuschyk – Jajalo
Risse – Neuer Stürmer (Ujah?!?) – Thiel

Ohne die Verletzungen zum Vorbereitungsstart hätte sich Chihi mit Thiel um die Position auf dem Flügel gestritten. Bigalke wäre ein Kandidat für die acht und wäre wohl in Konkurrenz zu Jajalo getreten.

Klar ist, dass ein zentraler Angreifer kommt, der sich mit Pritsche um die Sturmmitte rangelt.
Der zweite Neue dürfte ebenfalls ein zentraler Mann sein. Auf dem Flügel sind wir trotz des Ausfalls von Chihi und dem Nichtkommen von Peszko (sportlich finde ich es schade, mit dem ganzen Drumherum wohl vernünftig) gut besetzt. Bröker kann ebenso außen, wie Exslager.
Mit einem neuen Angreifer und Pritsche sowie Bröker und Exslager, die ebenfalls zentral spielen könnten, wären wir hier stark besetzt.
Deshalb dürfte der zweite neue eine zurückgezogene Position bevorzugen. Kein klassischer Zehner, die Position dürfte es eher nicht geben. Eher ein flexibler Mann, der offensiv kreative Ideen setzen kann. Dann dürfte es für Matuschyk oder Jajalo noch mal eng werden, weil auch noch Schnellhardt und Gerhardt auf Einsätze hoffen (und sie bekommen müssen!) und Bigalke irgendwann zurückkommt. Die beiden wären für die Sechs in dem System eher nicht prädestiniert, da defensiv nicht stark und präsent genug.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Lehmann wohl erneut eine tragende Rolle zugedacht wird. An ihn müssen sich die Fans wohl gewöhnen.
Hoffen wir, dass Stöger aus ihm, der in Köln einen schweren Stand in der Anhängerschaft hat das herauskitzelt und zu Tage fördert, dass er mit seiner Erfahrung leisten könnte…

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