Richtig schlecht. Aber Pauli war noch mieser

Mit etwas Abstand betrachtet frage ich mich, ob ich etwas anderes erwartet hatte. Vor dem Spiel hatte ich schließlich jedem erzählt, dass es ein enges Ding werden würde. Ein ziemlicher Kampf. Das begründete ich mit den miesen Vorstellungen des EffZeh in diesem Jahr und dem noch desaströserem Auftreten der Hamburger, für die ich gemeinhin auch gewisse Sympathien hege. Mit überzeugenden Siegen im Gepäck hätten wir den FC St. Pauli deutlich in die Schranken weisen können. Dann wäre das 5:0 und Platz vier möglich gewesen. Wäre, wenn.

War es aber nicht. Weil Köln aktuell nicht vor Selbstbewusstsein strozt und sich schwer tut. Enorm schwer. Merkwürdigerweise selbst mit einer frühen Führung und später einem Mann mehr im Gepäck. Beim 1:0 sagte ich zu meinen Begleitern noch: “Das kommt eigentlich zu früh.” Irgendwie sollte ich mich teilweise irren. Ohne den Treffer… ach, wer weiß, wie die Partie dann gelaufen wäre. Beim ersten Platzverweis huschte mir nach dem ersten Beifall ein: “Damit kommen wir ja auch nicht so gut klar.” Der gewohnte Pessimismus, der sich als Realismus entpuppen sollte.

Auch der FC Bayern der zweiten Liga, Eintracht Braunschweig, zeigte in dieser Saison wiederholt, wie man ein 1:0 verwaltet. Der gemeine Effzeh-Fan weiß allerdings, dass ein frühes 1:0 unserem Team nicht gut tut. Gar nicht gut.

Diese Mannschaft. Man kann, man darf mit den Leuten nicht aufsteigen. Mit dem Team möchte ich nicht aufsteigen. Ich tausche Platz vier zum Saisonende mit Position zehn, wenn stattdessen ein Schnellhardt regelmäßig 90 Minuten auf dem Rasen steht und ein nachhaltiges Konzept entwickelt wird. Das werden wir brauchen, wenn wir auf Dauer auch in Liga eins wieder ein kleines Wörtchen mitsprechen wollen. Die passenden Spieler haben wir dafür ja im Unterbau.

Dieser kurzfristig Erfolg, der mit einem Matthias Lehmann (und selbst mit einem McKenna) erzwungen werden soll ist einfach der falsche Weg. Ich halte noch immer viel von Stanislawski und haben großes Vertrauen in die gesamte Führungsebene im Klub. Aber aktuell läuft es in die falsche Richtung. Dass junge Spieler gefördert und eingebaut werden sollen, wie angekündigt, ist leider keine Realität. Dass etwas aufgebaut wird, damit auch nicht. Das ist bitter und ich bin es leid, jede Woche die selben Dinge zu fordern, weil sich nichts ändert.

Wir verschwenden hier Zeit, nur um am Ende den Aufstiegsrang knapp zu verpassen.

Gestern Abend gab es schon während der Partie und erst recht danach große Kritik an Maierhofer.

Ganz groß war auch das Menschenexperiment Ujah und Maierhofer gemeinsam spielen zu lassen. Meistens liefen sie kreuz und quer (nicht zu verwechseln mit absichtlichem “kreuzen” bei talentierten Mannschaften), standen sich auf den Füßen und nahmen sich gegenseitig die Räume. Alles wie erwartet! Hauptsache wir sind jetzt ohne Ishak (schnell, auf die Außen ausweichend) flexibler als mit Maierhofer (hat er ein Kopfballduell gewonnen?). Junge, Junge.

Sicherlich, er machte keinen glücklichen Eindruck. er stolperte am Ende viel, war ausgepowert und nach einem Foulspiel auch leicht mitgenommen. Er konnte vorne keinen Kopfball mehr gewinnen und unterstrich deutlich, dass er kein Torjäger ist. Unterschreibe ich alles. Aber der Mann hat geackert, was der schon wieder gelaufen ist. Sicherlich nicht effizient, was er da veranstaltete. Aber solche Leute will ich sehen. Die sich reinknien und die Zweikämpfe suchen. Defensiv hat er speziell in der ersten Halbzeit wohl jedes Kopfballduell gewonnen. Damit war er in einer Phase, in der wir zu viele ruhende Bälle verursachten ein wichtiger Faktor, dass wir zu null gespielt haben.

Maierhofer zeigte sich im Abschluss kläglich, behauptete den Ball aber oft stark und hatte die mit Abstand besten Zweikampfwerte aller Spieler auf dem Feld. Es gibt wohl nur wenige so zweikampfstarke Stürmer.

Am Ende fehlte die Kraft und damit offensiv auch die mentale Frische. Dass ihn die Mitspieler trotz allem immer wieder blind und lang gesucht haben, spricht nicht gegen Maierhofer, sondern gegen die Spieler. Das war unkontrolliert und unnötig. Statt Ruhe reinzubringen haben sie die Bälle nach vorne gejagt in der deutlichen Gewissheit, dass Maierhofer dort keinen Stich mehr sieht und der Ball damit in Sekundenbruchteilen wie ein Bumerang wieder zurück kommt.

Stani hätte ihn erlösen sollen, wollte aber wohl auf seine Kopfballstärke in der Defensive nicht verzichten. Erst recht, da Ujah im Vergleich total blass blieb. Der Junge ist aktuell weit ab vom Schuss und sowas von entfernt von seiner Form der Hinserie. Selbstvertrauen ist das Stichwort. Maierhofer beschnitt ihn zudem in seinen Laufwegen. Wird sowas nicht trainiert (fragte nach dem Spiel auch der regelmäßig Kommentator an dieser Stelle danieldx)? Ihm fehlt aber – wie schon zu Saisonbeginn – das Tor, um einfach wieder richtig zu stehen.

Miso Brecko: “Im Hinblick auf die Auswertung von Torchancen dürfen wir nicht überlegen, sondern müssen drauf hauen und an den Sieg selbst glauben.”

Dass wir zudem in der Endphase, als wir Räume hatten wirklich gute Chancen leichtfertig vergaben – ich sag nur “Vier gegen Einen” – passte einfach zu diesem Abend. Ein Abend, der eigentlich perfekt schien. Mein Auswärtsheimspiel. Zudem Flutlicht und in einem Stadion, das gewohnt kochte. Ich mag das Millerntor und den Support, den die Fans von allen Tribünen geben. Das ist Gänsehaut und macht Spaß. Da es zudem friedlich blieb, war es ein rundum tolles Fußballvergnügen. Wenn das Gegurke auf dem Platz nicht gewesen wäre.

Nach dem nächsten Spiel fragt nach dem wie – leider – keiner mehr.
So bleibt und blieb nur noch Galgenhumor.

Ein Höhepunkt jagte den nächsten, spielerische Feinkost und alle fragten sich ob dort 20 Messis und 2 Topkepper auf dem Rasen stehen würden.

Und die doch vorhandene Freude über drei Punkte.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.