taz kostet ein Beitrag

Die taz beeindruckt mich doch immer wieder. Wie offen die Tageszeitung im Internet mit seinen Zahlen umgeht, ist schon besonders. Aktuell haben sie ihre Erlöse von Online-Anzeigen (knapp 235.000 Euro) und die Kosten für das Portal (über 600.000 Euro) veröffentlicht. 120 Texte werden an Erscheinungstagen online gestellt. Das sind in etwa 30.000 pro Jahr. Auf die Frage:

“Was kostet so ein Artikel auf taz.de eigentlich?”

kann man also antworten: Im Durchschnitt 20 Euro. Abzüglich der Werbeeinnahmen von 7,8 Euro wäre man bei 12,20 Euro, die erzielt werden müssen, um einen einzelnen Artikel profitabel zu machen. Im Durchschnitt versteht sich! Kurze Pressemeldungen kosten wesentlich weniger, als selbstrecherchierte Beiträge, die beispielsweise nur für online produziert werden.

Klingt nicht viel, muss aber trotzdem erstmal reinkommen. Die taz verwendet deshalb seit einigen Monaten Flattr und seit Neuestem das interne Bezahlangebot “taz zahl ich”. Die ersten acht Tage waren dabei durchaus viel versprechen. 8.664 Euro sind dabei zusammen gekommen. Das dürfte demnächst wieder sinken. Ein Anfangsschwung, den etliche Leser nutzten, um sich mal ordentlich bei der taz zu bedanken. Mit Flattr kommen so um die 1.000 bis 1.500 Euro in die Kassen. Rechnen wir bei “taz zahl ich” mal mit dem Doppelten, dann wäre man bei 2.000 bis 4.500 Euro im Monat durch freiwillige Spenden. Bei zwanzig Erscheinungstagen stellt taz.de 2.400 Texte monatlich online. Um als reines Onlineportal profitabel zu wirtschaften müssten nach aktuellem Stand 29.280 Euro erzielt über Leserspenden werden.

Also alles verschenkte Mühe?
Mitnichten! Denn ohne Flattr und “taz zahl ich” würden zusätzliche 4.500 Euro pro Monat fehlen. Ein kleiner Klecks auf heißem Stein, aber besser als nichts. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich das aktuelle Bezahlmodell tatsächlich so gut, dass monatlich um die 15.000 Euro eingenommen werden. Es wäre ein taz-Erfolg.

Und schon jetzt beweisen die Damen und Herren, dass sich solche Modelle gerade für kleinere und sich abgrenzende Publikationen durchaus lohnen können.

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