Nichts ist unmöglich

Fußball Bundesliga, 30. Spieltag
Samstag, 10. April 2010 15:30

Oje, drei Mal standen sich Hoffenheim und Köln bisher schon in der Bundesliga gegenüber. Drei Mal siegte 1899. Die Tordifferenz spricht eine deutliche Sprache: 9 zu 1.

Warum man trotzdem Hoffnung haben kann?
Ansonsten standen sich beide Mannschaften nur noch zwei Mal in der zweiten Liga gegenüber. Diese beiden Duelle entschied der FC für sich bei 5:1 Toren. Fehlt quasi nur ein deutliches 4:0 für Köln und dann ist die Bilanz ausgeglichen…

Und wenn man sich die Leistungen beider Mannschaften in den letzten Wochen anschaut, dann könnte man schon von (gesteigertem) Zweitliganiveau sprechen. In der Rückrunden-Tabelle liegt Köln auf Platz 13, die TSG gar auf dem Relegationsplatz. Dank der ansprechenden Hinrunde, können sich gerade die Hoffenheimer freuen, dass sie nicht im Abstiegsstrudel stecken.

Aber warum es mit 1899 derart bergab geht, ist schon fast verwunderlich. Allerdings nur fast (ich habe 1899 vor der Saison auf Rang neun getippt). Nach dem Aufstieg hat das Team zweifellos brilliert und sich in andere Sphären gezaubert. Allerdings „nur“, wenn es um die Ansprüche und Erwartungen geht. Die schnellten dermaßen in die Höhe, dass man meinen könnte, 1899 gehört schon zum Favoritenkreis. Um die Meisterschaft!

Dabei hatte Hoffenheim „einfach nur“ die Chance genutzt unterschätzt zu werden, um dann geschickt die Freiräume zu nutzen, die das Team braucht, um zu zaubern und mit Offensivfußball zu überzeugen. Mit gestärktem Selbstbewusstsein ging vieles von allein. In der Rückrunde kam dann schon der Einbruch. Damals projezierten alle Experten den Abfall auf das Fehlen von Ibisevic. Aber es war mehr. Der Angreifer hatte, wie die Mannschaft über seinem Niveau getroffen. Die Erwartungen stiegen. Dem konnte ein Aufsteiger gar nicht gerecht werden.

Auch mit den vielen Millionen nicht, die in die junge Mannschaft gesteckt wurde.

Nun ist Ibisevic wieder da, spielt eine (für ihn) normale Saison und zack steckt 1899 im Mittelfeld fest. Und nun? Keine Panik sage ich. Zum einen hatte das Team natürlich mit Verletzungen (Obasi, Demba Ba) zu kämpfen, die eine Mannschaft nicht so einfach wegsteckt. Zudem haben sich die Gegner besser auf Hoffenheim eingestellt und schlussendlich spielt der Verein erst im zweiten Jahr in Deutschland’s höchster Spielklasse. Rückschläge inbegriffen.

Daraufhin den Trainer in Frage zu stellen, halte ich für höchst fragwürdig und zweifelhaft. Rangnick hat eine hervorragende Aufbauarbeit geleistet und verfolgt zudem ein Konzept. Daran sollte festgehalten werden, wenn man Hoffenheim langfristig in der Bundesliga etablieren möchte.

Parallelen zu Köln quasi. Hier war vor der Spielzeit ein Trainer-Novize verpflichtet worden, der sich im harten Geschäft erst zurechtfinden muss. Ihm gehört zweifellos die Zukunft. Wenn man Soldo vertraut und ihm die Zeit gibt.

Von daher ist die Partie am Samstag wie eine Wundertüte.
Hoffenheim ist gesichert. Sollte unbeschwert aufspielen können, muss aber mal wieder siegen, um Ruhe in den Verein zu bekommen und Selbstvertrauen für das Restprogramm, vor allem aber (schon) für die neue Saison zu tanken.
Köln braucht den Dreier. Zwingend! Denn sonst stecken sie knietief im Abstiegssumpf. Die Presse rumort schon, einige Fans lehnen sich gegen den Trainer auf. Der Boulevard lauert schon auf die Niederlage, um dann Soldo endgültig wegzuschreiben.

Druck gibt es also für beide Mannschaften.
Und hier lauert die Chance für den FC. Während Hoffenheim unter Druck bisher nicht überzeugen konnte, haben die Geißböcke zuletzt oft dann brilliert, wenn es richtig ernst wurde… und nicht, wie gegen Berlin, wo man den Tabellenletzten ja eigentlich nur mal im Vorbeigehen besiegen muss. Jetzt sind wieder andere Tugenden und vor allem eine andere Einstellung gefragt.

Diese Aufstellungen erwarte ich für Samstag

Hildebrand
Beck – Simunic – Compper – Ibertsberger
Weis
Luiz Gustavo —- Salihovic
Carlos Eduardo —————- Maisocuel
Ibisevic

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Novakovic —- Freis
Podolski
Matuschyk —— Maniche
Petit
Ehret – Geromel – Mc Kenna – Brecko
Mondragon

Ralf Rangnick hat in der Offensive wieder mehr Möglichkeiten, nachdem Obasi wohl zurück kehrt. Auch, wenn Demba Ba sicherlich fehlt. Mal sehen, ob Obasi schon von Anfang an stürmen darf oder als Joker gebracht wird. Maicosuel müsste dann wohl auf die Bank. Neben Tagoe, der ebenfalls bereit ist. Ibertsberger ist angeschlagen, schafft er es nicht rechtzeitig, beginnt wohl mal wieder Eichner. Vielleicht erhält auch Raitala eine Gelegenheit, sich zu zeigen, nachdem er (für mich überraschend) seinen Vertrag in Hoffenheim verlängert hat. Viel ändern wird Rangnick trotz der „Krise“ aber wohl eher nicht.

Zvonimir Soldo hat Maßnahmen angekündigt. Nachdem gegen Berlin auch noch in einem Testspiel gegen die eigene Reserve mit Lustlosigkeit brilliert wurde, will der Trainer durchgreifen. Viele sagen endlich. Nur machen es seine Spieler ihm nicht leicht. Nachdem mit Schorch, Chihi und Pezzoni wichtige Stützen verletzt ausfallen, holten sich gegen Hertha Mohamad und Tosic ihre Platzverweise ab. Noch weniger Alternativen für Soldo. Fünf Spieler, die sofort in der ersten Elf auflaufen könnten. Das kann eine Mannschaft, wie Köln nicht verkraften. Zu schmal ist der Kader besetzt.

Nun muss Soldo also mit Kreatvität überzeugen und entweder sein System gänzlich umwerfen oder mal jungen, unbekannten Spielern eine Chance geben. Wie Matuschyk, der während der Saison im Kader auftauchte und nun erstmal seinen Platz sicher zu haben scheint.

In der Abwehr beginnt (endlich!) Fabrice Ehret von Beginn an. afür erhält Brecko eine erneute Chance auf rechts. Er soll den quirligen Maicosuel stoppen. Mc Kenna rückt für Mohamad in die Innenverteidigung und könnte im Duett mit Geromel ein unangenehmer Gegenspieler für Ibisevic sein. Viel wird auf die Halbpositionen ankommen, die Gustavo und Salihovic außer Gefecht setzen müssen. Hoffenheim darf nicht zum Spielen kommen, dann hat Köln verloren. Maniche gilt nicht als unangenehmer Beißer. Hier wird Petit immer wieder aushelfen müssen. Vielleicht bekommt auch Brosinski eine Chance, obwohl Maniche zuletzt wieder passabel gespielt hat. Setzt Soldo auf eine spielerische Ausrichtung, um 1899 zu überraschen, wäre Yalcin eine Option. Das würde Hoffenheim aber mehr Freiräume geben. Gefährlich!

Gespannt dürften alle gen Kölner Sturmreihe schauen. Novakovic und Podolski passen nicht zu hundert Prozent zusammen. Aus meiner Sicht nicht aus spielerischen Gründen, sondern eher aus gekränkten Eitelkeiten zweier Leader, die im Offensivspiel die volle Aufmerksamkeit wünschen. Geht nicht. Ergo: Zusammenraufen und zusammenspielen. Am Besten nicht nebeneinander. Podolski würde ich alle Freiheiten gewähren. Soll er sich fallen lassen, nach vorne stoßen oder sich mal auf den Flügel bewegen. Novakovic darf dann vorne lauern, auf den einen tötlichen Pass, den er dann mal wieder gern verwandeln darf. Freis gehört immer mehr ins Sturmzentrum. Dort hat er (zu Beginn der Rückrunde) seine Klasse bewiesen. Daran sollte sich Soldo erinnern. Will Soldo im Angriff durchgreifen, stünde wohl nur Ishiaku bereit, den er für seinen Einsatz lobt. Er wäre der Gegenpart zu Nova, der dann wol draußenbleiben dürfte und der Stoßstürmer, der Räume schafft für Freis und Poldi.

Aber wie gesagt: Alternativen sind rar gesäht. Es stünden „nur“ noch Amateure zur Auswahl. Würde mich aber auch freuen, wenn einer von denen eine Chance erhält.

Das sagt der Gegner

Er wird bis zum Saisonende ausfallen. Umso schöner, dass sich die Dembabären, der Hoffenheimer Fanklub, der sich besonders dem Angreifer zugewandt fühlt meinen Fragen gestellt haben. Markus hat mir die Antworten versprochen, sobald sie da sind, pflege ich sie nach.

Mein Tipp

Hier scheint alles möglich. Hoffenheim brennt mal wieder ein Offensivfeuer nieder und brilliert mal wieder, wie zu „alten Zeiten“. Beide Mannschaften neutralisieren sich und schleppen sich zum Remis. Köln überrascht einmal mehr und schafft den Klassenerhalt. Viel wird von der Tagesform ankommen, von der Motivation und Einstellung sowie von der ersten viertel Stunde. Hellwach sein, heißt es für beide Teams. Ausgang ungewiss.

Da ich mich auf Tore freue, tippe ich auf ein 2:2.

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