Die Schwaben kommen

Fußball Bundesliga, 23. Spieltag

Samstag, 20.02.2010 15:30

Eigentlich ist Karneval immer die Zeit der guten Laune. In Köln ist das nicht immer so. Wie auch in diesem Jahr. Nachdem zuvor alles wunderbar aussah, steckte der Eff Zeh zwei Pleiten ein. Augsburg war unterirdisch, Gelsenkirchen war von der Einstellung ebenso miserabel. Nicht eine Torchance. Das erinnerte schon an die Hinserie.

Zum Glück ist Karneval nun vorbei.

Gelacht wird woanders, nun heißt es wieder volle Konzentration auf den Sport. Einstellung, Leidenschaft und Feuer möchte ich sehen.

Die Jungs haben kaum was zu verlieren. In der Tabelle stehen sie passabel da und mit Stuttgart kommt ein Team, das man nicht schlagen muss. Dass man aber schlagen kann. Vielleicht sollte Soldo heute Abend nochmal das Hinspiel zeigen.

Dafür muss aber wieder mehr zusammen passen. In der Defensive, aber auch offensiv und so wird der Blick auf die Taktik besonders interessant sein.

Diese Aufstellungen erwarte ich für Samstag

Mondragon

Brecko – Mohamad – Geromel – Schorch

Petit — Maniche

Chihi —————————- Tosic

Novakovic – Podolski

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Pogrebnyak – Cacau

Hleb —————— Hilbert

Kuzmanovic — Träsch

Molinaro – Delpierre – Tasci – Celozzi

Lehmann

Soldo hat angekündigt offensiver auftreten zu wollen. Das läuft dann zwangsläufig auf eine Taktikumstellung hinaus. Wahrscheinlich bietet Köln zwei echte Stürmer auf, flankiert von zwei offensiven Außen. Zwei Sechser sollen absichern. Dadurch kommt es wohl so, wie man es befürchten musste. Pezzoni und Freis sitzen draußen. Zwei Indianer. Ob das die richtige Entscheidung ist? Gerade Freis hätte ich als zweiten Angreifer aufgeboten. Anstatt Podolski.

Gross muss ebenso umstellen. Marica fehlt wegen der fünften gelben Karte. Zudem fällt Khedira aus. Für den Mittelfeldspieler dürfte Kuzmanovic beginnen. Keine echte Schwächung aus meiner Sicht. Heikel wird es im Angriff. Marica war zuletzt gut drauf und harmonierte gut mit Pogrebnyak. Die Alternativen Cacau und Schieber waren zuletzt angeschlagen. Ob sie schon fit sind? Falls nicht, könnte beispielsweise Gebhardt (oder Rudy) beginnen und der Russe in vorderster Front den Alleinunterhalter spielen.

Das sagt der Gegner

Heinzkamke von angedacht, blickt auf den VfB und auf die Samstagspartie aus Stuttgarter Sicht.

Spielfeldrand: Erstmal Glückwunsch zu eurer Rückrunde. Was macht Christian Gross besser, als Markus Babbel?
Heinzkamke: Ein wichtiger Punkt besteht sicherlich darin, dass er sich auf eine Stammelf festgelegt hat, der er den Rücken stärkt (Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen, dass er letzte Woche für den Kapitän von diesem Prinzip abgewichen ist, mit bekannten Folgen) und so für Kontinuität sorgt, die der Mannschaft offensichtlich gut tut. Die Souveränität, mit der er dabei Härtefälle wie Kuzmanovic in Kauf nimmt, vermittelt das Gefühl, dass er sehr genau weiß, was er tut.

Spielfeldrand: Besonders eure bisher gescholtenen Stürmer treffen mit einmal. Bei Pavel Pogrebnyak war es in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, aber dass nun auch Ciprian Marica regelmäßig trifft, überrascht schon. Hast du einen Grund für die neue Treffsicherheit des Duos?
Heinzkamke: Gerade bei Marica ist das Vertrauen des Trainers ganz bestimmt ein wichtiger Grund. Er hat sicher nicht nur gute Spiele gemacht, seit Gross da ist, lief aber immer wieder von Beginn an auf – derart „gesetzt“ war er in den Jahren zuvor nie. Pogrebnyak wirkte in der Hinrunde wie ein steter Fremdkörper im Spiel des VfB, auch wenn er schon damals extrem viel für die Mannschaft arbeitete. Nun ist er meines Erachtens besser eingebunden, und der Trainer wird nicht müde, seine Vorzüge zu loben. Kurz: beide spielen eine deutlich bessere Rolle, dennoch käme ich noch nicht auf den Gedanken, bei den beiden von Treffsicherheit zu reden – aber da mag ich noch verwöhnt sein aus Gomez‘ Zeiten. Als Torschützenkönig sehe ich beide auf absehbare Zeit nicht. Auch Christian Gross wird heute dahingehend zitiert, dass er von den Stürmern mehr Effizienz erwarte.

Spielfeldrand: Ihr habt im Winter vier Mittelfeldspieler abgegeben. Auch wenn diese zuletzt nicht unbedingt zum festen Stamm zählten, besteht da nicht die gewisse Gefahr plötzlich Probleme zu bekommen, wenn Leute wie Khedira oder Kuzmanovic mal länger ausfallen?
Heinzkamke: Wenn Leute wie Khedira oder Kuzmanovic länger ausfallen, würde meines Erachtens fast jede Bundesligamannschaft Probleme bekommen – Probleme, bei denen Simak, Bastürk oder auch Hitzlsperger in der Form der Hinrunde nur sehr bedingt helfen könnten. Über die Ausleihe von Elson kann man streiten, weil er bei seinen Einwechslungen immer wieder für Überraschungsmomente gut war; aus meiner Sicht hat der Verein bei den genannten Mittelfeldspielern jedoch durch die Bank richtig gehandelt. Sebastian Rudy ist wieder fit, Martin Lanig kehrt in absehbarer Zeit zurück, nächste Saison kommt Christian Gentner und kurzfristig hätte ich keinerlei Bedenken, wenn Patrick Funk, vielleicht auch Daniel Didavi, aus der zweiten Mannschaft hineingeworfen würden.

Spielfeldrand: Die WM 2010 rückt mit großen Schritten näher. Wer aus eurer Mannschaft muss noch unbedingt mit nach Südafrika reisen? Bei Jogi Löw, aber auch in einem anderen Nationalteam.
Heinzkamke: Aus deutscher Sicht „unbedingt mit“ muss meines Erachtens Sami Khedira, zudem würde ich Serdar Tasci und, wenn er sein Niveau beibehält, Christian Träsch mitnehmen. Weitere Kandidaten sehe ich für Joachim Löw (noch) nicht. Boka dürfte gesetzt sein, Kuzmanovic hoffentlich auch, Boulahrouz kann sich indes derzeit nicht aufdrängen. Überraschungskandidaten: keine.

Spielfeldrand: Nächste Woche geht es gegen den FC Barcelona. Was erhoffst du dir mit dem neuen Selbstvertrauen für die weitere internationale Saison?
Heinzkamke: In erster Linie erhoffe ich mir, da bin ich ganz bei Trainer Gross, einen Sieg in Köln. Barcelona ist noch ein Stück weit weg, auch wenn ich mich, das versteht sich wohl von selbst, riesig auf das Spiel freue. Natürlich erhoffe ich mir dann, wie wahrscheinlich jeder Fan in einer vergleichbaren Situation, dass der eigene Verein die Sensation schafft, den haushohen Favoriten schlägt und dann einen Durchmarsch bis Ende Mai in Bernabeu startet. Dass das illusorisch ist, weiß ich auch – so what?
Wenn Du indes fragst, mit welchem Verlauf ich zufrieden wäre, siehts das etwas anders aus: ich wäre zufrieden, wenn das Hinspiel nicht verloren ginge und der VfB mindestens ein Tor erzielte. Extrem zufrieden bei jedem Sieg, einverstanden mit einer knappen Niederlage nach guter Leistung und restlos bedient, wenn nach einer halben Stunde schon alles für Barcelona gelaufen wäre.

Spielfeldrand: Besteht am Samstag nicht vielleicht auch wegen diesem „Highlight des Jahres“ die Gefahr, den 1. FC Köln doch ein wenig auf die leichte Schulter zu nehmen?
Heinzkamke: Natürlich. Der Trainer kämpft allem Anschein nach vehement dagegen an, und er weiß sicher warum. Wobei ich nicht glaube, dass das mit dem FC Köln zu tun hat. Barcelona ist das Größte, das steckt auf jeden Fall im Hinterkopf, egal wie der aktuelle Bundesligagegner heißt – wobei ich einräume, dass die Bayern möglicherweise eine Ausnahme bilden würden.

Spielfeldrand: Köln und Stuttgart sind gut ins Jahr gestartet, haben aber in der letzten Wochen jeweils einen Dämpfer hinnehmen müssen. Was erwartest du für ein Spiel?
Heinzkamke: Ich gehe davon aus, dass der VfB die Partie bestimmen wird, was Ballbesitz und Spielanteile anbelangt. Köln wird defensiv gut stehen, ohne zu mauern, und seine Chance nach vorne auf jeden Fall suchen, zumal man um die Abstimmungsschwierigkeiten in der VfB-Abwehr weiß. Beim VfB bleibt abzuwarten, ob man wieder mehr Torgefahr ausstrahlen (und diese dann auch in Zählbares umwandeln) kann.
(Aber ich hab zuletzt zu wenig vom FC gesehen, um ausschließen zu können, dass er von Beginn an ein Offensivfeuerwerk abbrennt.)

Spielfeldrand: Zu guter Letzt: Wo wirst du die Partie verfolgen und wie lautet dein Tipp?
Heinzkamke: Die Gefahr ist groß, dass ich vom Spiel wegen einer Familienfeier nur ganz wenig sehen kann. Noch hoffe ich allerdings, doch noch in die Fußballkneipe meines Vertrauens gehen zu können. Mein Tipp: 0-2

Mein Tipp

Köln müsste wieder so unbeschwert auftreten, wie zu Beginn der Rückrunde und druckvoll nach vorne spielen. Allein, ich mag nicht daran glauben. Ich befürchte, dass eine Menge Selbstbewusstsein flöten gegangen ist. Zudem muss Poldi beweisen, dass er aktuell eine echte Verstärkung ist. Wenn nicht auf seiner Idealposition, dass wohl gar nicht mehr. Die Defensive muss wieder stabiler stehen, nachdem Abräumer Pezzoni fehlt.

Stuttgart scheint im Moment gut drauf. Man kann nur leicht hoffen, dass vielleicht schon Barcelona in den Köpfen rumschwirrt und Köln dadurch eine gewisse Chance hat. Es wird eng werden. Kein rauschendes Fest. Auch nach Abpfiff nicht. Ich tippe auf 1:2.

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