FC verscherbelt sein Tafelsilber

Gerade jetzt, nachdem mit Lukas ein Eigengewächs zurück geholt wird, hört man hier und da riesige Lobeshymnen auf unsere Nachwuchsarbeit. Und sicherlich können wir uns freuen, dass ein Podolski zu diesen Ehren gekommen ist und auch ein Sinkewitz mal hoch im Kurs stand. Ganz bestimmt sogar ist die Durchlässigkeit von den Amateuren zu den Profis in Köln recht hoch.

Da hat aber nicht nur was mit unserer guten Talentförderung zu tun, sondern einfach mit einem gerade in zweiter Reihe dünnen und mittelmäßigen Personaldecke. Ergänzt mit wirtschaftlichen Faktoren ergibt sich fast nur die Möglichkeit offene Stellen durch kostengünstige Amateure aufzufüllen. Das ist auch gut so, ist der richtige Weg in meinen Augen. Aber von einer vorbildlichen Nachwuchs-Einbindung möchte ich nicht zwingend sprechen.

Ein Matip (an sich Bochumer Jung) und ein Chihi sind mit großem Talent gesegnet, aber erhalten am Geißbockheim nicht das dauerhafte Vertrauen, um sich wirklich durchzusetzen. Stattdessen werden sie gelobt, füllen den Kader aber nur auf. Ergänzen ihn, statt ihn zu verstärken, so dass schnell die Vermutung aufkommen kann, dass die Beiden deshalb so nachhaltig gelobt werden, um in der Breite zumindest namentlich gut aufgestellt zu sein.

Ein Pezzoni (Frankfurter Eigengewächs in Diensten des FC) hat in der abgelaufenen Saison neben Petit einen enormen Leistungssprung genommen und sich überraschend zum Stammspieler gemausert, wird aber prompt wieder geblockt. Zuerst holte man im Winter Boateng und nun hält man zumindest ein Auge offen. Für den Fall, dass noch ein guter Sechser auf dem Markt auftaucht.

Warum frage ich mich?
Wenn man seine Talente wirklich fördern will und dann auf ein Trio, wie Pezzoni, Chihi und Matip zurückgreifen kann, warum gibt man ihnen dann nicht die Chance neben gestandenen Spielern weiter zu wachsen?

An der mangelnden Qualität kann es in meinen Augen nicht liegen.

Mit Brosinski und Yalcin wurden letztes Jahr zwei weitere Jugendspieler hochgezogen. Mich würde es wundern, wenn sie in diesem Jahr vermehrt ihre Einsatzschancen bekommen würden.

Im aktuellen Kader stehen mit Josè Vunguidica, Michael Gardawski, Sebastian Zielinsky, Lukas Nottbeck, Adam Matuschyk und Christian Clemens gleich sechs weitere Talente parat. Inwieweit sie wirklich eingebunden werden, mag ich zu bezweifeln.

Deshalb kann man fast vermuten, dass der Großteil dieser Spieler über kurz oder lang bei Konkurrenten landet oder sie irgendwann als „ewige Talente“ abgestempelt werden.

Zwei Talente suchen in diesem Sommer vielleicht auch deshalb das Weite. Innenverteidiger Albert Alex wechselt zu (den Amateuren von) 1899 Hoffenheim und Stürmer Lucas Musculus heuert bei TuS Koblenz an. Beide entstammen unserer U19. Gerade Alex hätte ich gern weiter am Geißbockheim gesehen. Als Innenverteidger Nummer vier, der – wenn er sich richtig entwickelt – McKenna ablösen könnte. Musculus erzielte letzte Saison immerhin 11 Tore in 17 Bundesliga West-Jugendspielen. Eine Chance hätte er vielleicht schon in der letzten Saison verdient gehabt, als unsere Offensive noch nicht so breit, wie aktuell aufgestellt war.

Ich verlange keineswegs lediglich auf Jungspunde zu setzen. Aber entweder hört man auf, andauernde Lobeshymnen auf den Nachwuchs zu verfassen oder man beginnt dieses Potenzial endlich zielgerichteter auszuschöpfen.

Der 1. FC Köln sollte aufwachen und sich seine durchaus gute Nachwuchsarbeit nachhaltig zu Nutze machen, indem man der Jugend eine ehrlich Chance gibt. Nicht nur als Bankdrücker, sondern als „echte Profis“. So wie einst Lukas Podolski.

    Hinweis. Gedankenstütze für mich. Weitere FC-Artikel, die die Tage folgen:

Erkenntnisse der ersten Testspiele
Spielplan der neuen Saison
Team der Zukunft (hat sich nach näherer Betrachtung schon wieder erledigt)
Pro Chihi

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