Das ist der Umbruch

Vier Spieltage hat es gedauert, bis auch der letzte gemerkt haben dürfte, dass der Umbruch größer ausfällt, als manche zuletzt denken wollten.

Schaut’s Euch an.
Gegen Cottbus standen vier Spieler auf dem Rasen, die in dieser Saison erstmals als Profi in Deutschland auflaufen. Mit Royer ein weiterer Spieler, der nach vier Spielen für Hannover in Köln endgültig Fuß fassen will. Ishak ist zwar bereits seit letztem Jahr beim EffZeh (11 Erstligapartien), befindet sich jetzt aber auf dem Weg zum Stammspieler. Mit Maroh und Bröker standen zwei weitere Neuzugänge in der Anfangself. Lediglich Brecko, Eichner und Clemens (und natürlich Ishak) waren auch in der letzten Saison schon Kölner. Der Altersschnitt betrug glatte 23 Jahre. In Horn und Clemens standen zudem zwei echte Kölner auf dem Rasen!

Timo Horn – 19 Jahre – 4. Spiel als Profi (alle 2012)
Miso Brecko – 28 Jahre
Dominic Maroh – 25 Jahre
Kevin Wimmer – 19 Jahre – 4. Profiligaspiel in Deutschland (alle 2012)
Christian Eichner – 29 Jahre
Tobias Strobl – 22 Jahre – 2. Ligaspiel als Profi (erstes für Köln)
Jonas Hector – 22 Jahre – 2. Ligaspiel als Profi (alle 2012)
Daniel Royer – 22 Jahre – 7. Profiigaspiel in Deutschland (viertes für Köln)
Thomas Bröker – 27 Jahre
Christian Clemens – 21 Jahre
Mikael Ishak -19 Jahre – 15. Profispiel in Deutschland, alle für Köln

Drei 19-jährige in der Startelf, sieben waren nicht älter als 22. Inklusive der zwei gebürtigen Kölner. Wo hat man das schon. Erst recht bei einem “Traditionsverein”. Erfahrung sieht anders aus. Dass wir da Zeit benötigen, ist umso wichtiger.

Erst recht, wenn man nach vorne blickt. Mit Anthony Ujah (21, 20 Bundesligaspiele) und Sascha Bigalke (22, 1 Bundesliga- und 42 Drittligaspiele) kommen zwei junge Leute hinzu. In Lukas Kübler (20), Kacper Przybylko (19, beide je 1 Zweitligaspiel, alle für Köln) und Fabian Schnellhardt (18, 0 Spiele als Profi, kommt aus dem Nachwuchsbereich des EffZeh) stehen weitere Talente bereit und befinden sich auf dem Sprung.

Dafür hat die Mannschaft schon wirklich gute Partien absolviert. Auch wenn man das in der Tabelle nicht sehen kann. Gegen Cottbus ist die Elf wirklich mutig aufgetreten, hatte erneut viel Ballbesitz und gefällig nach vorne gespielt. Die Jungs haben gute Ansätze gezeigt, waren sehr engagiert. Es fehlten nur leider erneut die Tore. In der Offensive sind sie oft noch etwas zu überhastet und nicht so abgeklärt. Das sind aber Sachen, die mit mehr Erfahrung kommen werden. Ich denke, sie brauchen einfach ein paar Erfolgserlebnisse. Das müssen Tore (von unterschiedlichen Spielern!) sein und natürlich Siege. Das dürfte dem Team den nächsten Push geben. Ich bin hier guten Mutes!

Gefühlte 12-1 Chancen für meinen Effzeh, aber trotzdem 0:1 verloren. Latte, Kirschbaum, Unvermögen, Pech sei Dank steht der Verein aus dem Osten für mindestens eine Nacht an der Tabellenspitze und wir verharren weiterhin auf Platz 17 mit 1:5 Toren und einem einzigen Pünktchen.

Bei Holger Stanislawski bekommt man das erste Mal seit sehr langer Zeit den Eindruck, dass da jemand ist, der seinen Posten ernst nimmt. Der daraus schöpfen will, dazu lernen will, aber auch etwas gibt. Vielleicht etwas, was gerade dem 1.FC Köln gut tun wird, Ruhe, Sachlichkeit und Leidenschaft!
Kein Messias! […] Es wurde stellenweise guter Fußball gespielt, man hätte realistisch locker 6 – 7 Punkte mehr holen müssen, bei entsprechender Chancenverwertung. Das ist so. Das sieht aber keiner.

Gute Chancen landete an der Latte, wurden im letzten Moment von der Linie gekratzt oder vom aufmerksamen Cottbuser Keeper entschärft. Daher war es nicht verwunderlich, dass die Fans nicht böse auf die Spieler waren. Es war eine junge Mannschaft auf dem Platz und ich persönlich – auch wenn andere dies bereits in den ersten Spielen behaupten gesehen zu haben – habe wirklich eine NEUE Mannschaft gesehen. Körpersprache, Laufbereitschaft, sympathische Unsicherheit, statt überschätzte Arroganz. Dieser Mannschaft mit dieser Einstellung werden die Fans einiges verzeihen.

Die Offensivspieler: Rennen, kämpfen, kratzen, beissen. Über fast die gesamte Spielzeit, auf jeden Fall aber in der zweiten Halbzeit stimmte durchweg der Einsatz, der Kampfgeist und der Wille. Großes Manko bleibt die katastrophale Chancenverwertung.

Zum besagten Umbruch gehören bekannter Maßen und bereits geschildert auch neue Gesichter. Die finden sich bereits im Kader. Gleichzeitig konnte der EffZeh die Kaderliste in der letzten Woche vor Transferschluss noch ausdünnen. Nach Michael Rensing (schade, dass es nur eine Stelle als Ersatztorhüter geworden ist, eigentlich unbegreiflich!) Christopher Buchtmann (Viel Spaß mit ihm, Pauli. Er wird eure Offensive hoffentlich beleben) wurden noch die Verträge mit Alexandru Ionita und Kevin Pezzoni aufgelöst.

Ionita hat die Erwartungen, die man in seinen – zudem nicht ganz günstigen – Transfer hatte, nie erfüllt. Ihm weine ich keine Träne nach. Pezzoni auch nicht. Sei 2008 stand er im Kader und oftmals auf dem Rasen. Öfters, als ich es mir wünschte. Er war leider meistens ein Unsicherheitsfaktor, der uns auch in dieser Saison etliche Punkte kostete. Aber er war ein Spieler des 1. FC Köln. Er war Teil der Mannschaft. Die kritisiert man durchaus. Wer es unbedingt braucht, darf auch mal pfeifen (aber nicht nach einem oder fünf Fehlpässen). Aber es darf niemals soweit gehen, dass ein Spieler bedroht, übel bepöbelt und mies mitgespielt wird. Der Abgang ist eine Art Selbstschutz für einen Spieler, der hoffentlich woanders unterkommt, fair behandelt wird und neues Selbstvertrauen erhält. Alles Gute dafür!

Ganz ehrlich: ich bin fassungslos! Es steht völlig außer Frage, dass es sich bei diesen Menschen nicht um Fans des 1. FC Köln handelt. Egal, wie sie sich selbst sehen würden. Gewalt passt nicht nur nicht in unsere Gesellschaft und unseren Fußball, Gewalt passt nicht in diese tolerante, weltoffene und freundliche Stadt und unseren Verein. Fußballfans sind keine Verbrecher, aber Verbrecher sind auch keine Fußballfans!
„Da hat eine Gruppe von Menschen dem Spieler Pezzoni in dieser Woche vor dessen Privatwohnung aufgelauert, ihn angepöbelt und ihn massiv bedroht“, sagte Holger Stanislawski.

Köln steht in der Hinsicht mal wieder schlecht da.
Aber die Mannschaft macht Mut.
Die Spieler wollen, das sieht man und hat man lange nicht mehr im Rhein Energie Stadion gesehen.

Haben wir uns nicht in der Sommerpause alle darauf geeinigt, dass wir dieser Mannschaft (die die jüngste in der 2. Liga ist, wohlbemerkt) Zeit schenken?

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