Zu Finke, Solbakken, Genusscheinen und Co.

Ich bin wieder da. Gut erholt, mit frischer Sonnenwärme aufgeladen und freudig gestimmt. Während meines Kanarenurlaubs hat der EffZeh gegen Lautern einen wichtigen Sieg eingefahren. Roshi dürfte jetzt ganz laut an die Tür zur ersten Elf anklopfen. Auch Ishak kommt immer besser in Schwung und ist schon jetzt eine gute Alternative für die Offensive. Viel schneller, als ich gedacht hätte. Mit Kacper Przybylko steht für die Zukunft vielleicht schon die nächste Stürmerhoffnung parat. Sein Start in der U21 ist mehr als geglückt. Nach Einwechslung hat er mal direkt einen Treffer und eine Vorlage beigesteuert.

Damit könnte der 18-jährige vielleicht sogar bessere Chancen bei Solbakken haben, als Chong Tese. Denn obwohl ich die neue Option im Angriff ganz gut finde, desto unsicher ist, was Solbakken wirklich von ihm hält und ob er auf ihn baut. Denn wie schwer es für einen Spieler ist, der nicht die endgültige Rückendeckung vom Trainer hat, durfte Sebastian Freis in der Hinrunde erfahren. Mal sehen, ob es Tese besser ergeht.

Denn klar ist, dass Tese nicht der Wunsch von Solbakken war, wie Volker Finke bereits zugegeben hat.

„Zwischen Wunschspieler und nicht zustimmen ist viel dazwischen. Der Trainer hat zugestimmt, aber dass es nicht seine Wunschoption war, können wir so stehen lassen.“

Die Presse ist schon kräftig dabei einen Keil zwischen Trainer und Sportdirektor zu treiben. Interviews aus beiden Lagern sprechen eine deutliche Sprache. Intern dürfte es zwischen beiden regelmäßig zu (heftigen?) Diskussionen kommen. Hier scheinen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander zu treffen. Das Thema dürfte uns in der jecken Karnevalszeit noch begleiten.

Klar ist jedoch, dass sich beide zusammenraufen müssen und an einem Strang ziehen sollten. Für den Verein! Wer hier eher zurückstecken sollte, ist schwer zu sagen. Der Trainer hat einen klaren Plan und in meinen Augen gute Ideen für eine erfolgreiche Zukunft. Aber er sitzt am kürzeren Hebel. Finke muss die Linie des Vereins festlegen und verantwortungsvoll danach handeln. Ideal wäre eine Zusammenarbeit, wie in Bremen. Aber das ist das Idealbild und in Köln wohl nur schwer umsetzbar. Auch wenn Finke in Köln vielleicht nicht die besten Karten hat, hoffe ich doch auf sein Netzwerk und seine langjährige Erfahrung. Gepaart mit den Ideen von Solbakken.

Claus Horstmann hat sich zumindest bereits (an FC-Mitglieder per Mail) geäußert, um ein wenig Wind aus den aufgeblähten Segeln zu nehmen.

„Zunächst einmal muss klar sein, dass wir einen Kurs haben, den wir gemeinsam verfolgen. Wir haben uns alle gemeinsam Ziele gesetzt, sowohl im sportlichen wie auch im wirtschaftlichen. Bei aller medialen Diskussion werden wir diese Ziele nicht aus den Augen verlieren. Das bedeutet aber nicht, dass wir keine unterschiedlichen Meinungen zulassen dürfen. Das wäre ein grobes Missverständnis!”

Keine Frage, konstruktive Diskussionen müssen sein, um nicht in festgefahrenen Linien zu agieren. Aber sind die Gespräche zwischen Finke und Solbakken konstruktiv oder nur sachlich? Bringt uns die Zusammenarbeit nach vorne oder bleibt es bei unterschiedlichen Vorstellungen?

Auch Horstmann unterstreicht, wer am längeren Hebel sitzt und wohl eher die (von mir schon erwähnte verständliche) Rückendeckung der Geschäftsführung genießt.

“Ich will noch einmal daran erinnern, dass es die Aufgabe des Sportdirektors ist, den sportlichen Erfolg der Mannschaften des 1. FC Köln sicherzustellen und den Kader durch Transfers zu gestalten. Natürlich muss er die sportliche Leistung bewerten, fair und sachlich.”

Aber was nützt uns ein neuer Spieler, der vom Trainer nicht gewünscht ist?
Oder wenn die Mannschaft einen (wenn nicht den) wichtigen Spieler verliert. Aus rein wirtschaftlichen Gründen?

“Lukas Podolski hat Zeit erbeten, um sich über seine Interessen im Klaren zu werden. Das respektieren wir selbstverständlich. Der Club ist einen Schritt weiter. Deswegen haben wir Lukas Podolski auch das klare Signal gegeben: Wenn er zu Verhandlungen bereit ist, sitzen wir sofort mit einem leistungsfähigen Angebot am Tisch. Natürlich muss der Club dabei immer auch die Planungen für die nächste Saison berücksichtigen.“

Poldi hat sich in der BAMS eher negativ geäußert.

„Wenn man schaut, welche Perspektiven mir aufgezeigt wurden und was am Ende dabei rausgekommen ist, ist das enttäuschend. Hier fehlt Kontinuität. Regelmäßig werden Trainer, Sportdirektor und jetzt auch das Präsidium ausgetauscht. Klar gesagt: So kann langfristig nichts entstehen.“

Recht hat er. Ist auch nichts Neues. Podolski darf das auch sagen, ohne eine Strafe zu gefährden. Zusammen mit Rensing ist er aktuell der großer Mahner. Zusammen mit dem Torhüter sowie Geromel, Jajalo, Riether, Novakovic und Jemal könnte er für sportliche Kontinuität sorgen. Um das Gerüst herum können sich junge Talente, wie Clemens, Roshi und Ishak entwickeln. Ziel muss es sein, eine Mannschaft langfristig zusammen zu halten, um zu wachsen.

Dabei ist die Personalie Jemal der erste Schritt. 1,5 Millionen Euro müssten machbar sein. Zur Not mit Hilfe der Genussscheine, die insgesamt 7,5 Millionen Euro in die Kassen spülen sollen. Das könnte auch ein erstes Signal in Richtung Podolski sein. Dann noch eine gemeinsame Linie von Geschäftsführung, Sportdirektor und Trainer. Langfristige Verträge. Und vor allem Ruhe.

Sowie, und nur das sorgt für eine gute Atmosphäre: Sportlicher Erfolg!

Der Sieg auf dem Betzenberg darf nicht der letzte Dreier der nächsten Wochen gewesen sein. Der HSV ist heute schlagbar. Wir müssen nachlegen. Überzeugend auftreten und was Zählbares einfahren. Das ist die Basis für die Zukunft.

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