555 Minuten für den Abstieg

Köln 1 Maniche, 79
Mönchengladbach 1 Reus, 55

Leute, die mich kennen, würde mich nicht unbedingt einen Gerechtigkeitsfanatiker nennen. Wahrscheinlich würden sie mich eher einen geraden, direkten, manchmal ziemlich unfairen und gern mal pöbeligen und grummeligen Typ nennen. Gerade wenn es um Fußball geht, bin ich mit Herzblut dabei und pruste wilde Sachen in den Raum oder ins Stadion. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ich pfeife und fluche. Ich beschimpfe auch mal meine eigenen Spieler. Aber im Groben stehe ich wie ein Mann hinter meiner Mannschaft und versuche sie eher anzutreiben. Auch wenn Verfluchungen meistens einfacher sind und sicherlich auch oftmals vorkommen.

Nur gestern hätte ich nicht gegen Womé gepfiffen (wahrscheinlich).
Wer hier regelmäßig mitliest, der weiß, dass ich den Kameruner nicht mag und mir immer bange wird, wenn er verteidigen soll. Seine Patzer sind berüchtigt. Seine Stärken liegen eher noch in der Offensive. Gegen Gladbach hat er sich jedoch keinen Fehler erlaubt. Defensive hatte er mit dem agilen Reus mächtig zu tun, aber hatte hier meistens alles verhältnismäßig im Griff. Beim Gegentor muss man eher unsere Innenverteidigung geißeln. Offensiv hätte man sich von Womé sicher ein ums andere Mal mehr Druck und Mut gewünscht. Stattdessen hat er das Tempo rausgenommen und den Rückpass gesucht. Ein Fehler? Eher nein! Wer seine Ballverliebtheit kennt, der weiß, wie schwer es ihm fallen musste, sich zu trennen statt ins Eins-zu-Eins zu gehen.

Sauber!
Ich mag mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er es, wie sonst immer versucht hätte, um den Ball dann zu vertendeln und Reus die ganze Außenbahn zu überlassen. Dann hätte es hinten vermutlich viel mehr gebrannt, als ohnehin schon.

Warum fehlte Womé also der Mut?
Soldo muss ihm mächtig zugeredet haben. Anders kann ich mir das gar nicht vorstellen. Von allein kommt der Pierre sicher nicht auf so eine Idee. Ergo: Soldo hat alles richtig gemacht… wenn man mal außen vor lässt, dass ich lieber erneut mit Ehret gespielt hätte (sei’s drum). Umso unverständlich, dass dann auch noch unser Trainer derart abgewatscht wurde.

Schließlich haben wir kein schlechtes Derby abgeliefert. Im Vergleich zum Spiel gegen Mainz war das wieder eine Leistungssteigerung. Der Wille war da. Gerade in Hälfte eins (und dann nach dem Ausgleich) hat sich der FC einige Chancen erarbeitet. Da war Dampf drinnen. Mehr darf man aktuell nicht erwarten. Wir können aktuell kein Spiel gestalten und die Fohlen im Vorbeigehen überrennen. Nicht aktuell. Deshalb müssen wir froh sein, dass wir Chancen haben und uns nicht einfach nur einigeln und aufgeben.

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Nur muss das Leder halt auch mal rein.
Vor dem Hammer von Maniche!
Allen voran Novakovic sollte mal wieder treffen. Bei seinen Ansprüchen! 16 Buden hat er in der letzten Saison gemacht. Der FC Schalke 04 soll an ihm dran gewesen sein. Da darf man mehr erwarten, als aktuell. Zwar ist Nova noch immer bester Kölner Torjäger in dieser Spielzeit, aber fünf Tore sind nicht sein Anspruch. 555 Minuten sind es mittlerweile schon, in denen er nicht mehr getroffen hat (letztes Tor Anfang Februar gegen den HSV). Auch gegen Gladbach hatte er einige gute Möglichkeiten, die er fast fahrlässig vergab. Wenn er hier einmal seinen alten Torriecher wiederfindet, wäre sogar der Derbysieg möglich gewesen.

War es nicht und ist auch keine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist Köln der Lieblingsgegner der Fohlen. Gegen keine andere Mannschaft hat die Borussia mehr Punkte gesammelt und mehr Tore geschossen, als gegen den FC. Da war der Punktgewinn (im eigenen Stadion) fast schon ein kleiner Erfolg!

Ein Sieg ist auch unsere aufgegangene Gelb-Strategie. Statt Petit, Geromel und Mohamad im Dreierpack in einem Spiel ersetzen zu müssen, fehlt nun jeder des Trios jeweils einzeln. Immerhin.

Auch wenn dieser eine Zähler sicher zu wenig sind. Die Mannschaft hat aber bewiesen, dass noch immer Moral in ihr steckt. Darauf müssen sie aufbauen und dann in den nächsten beiden Spielen (Hannover, Berlin) das Puffer zu den Abstiegsrängen beruhigend ausbauen. Denn sonst wird mir schlecht… denkt nur mal an ein Relegationsspiel gegen Düsseldorf…

Stimmen

Das 76. Bundesliga-Derby der rheinischen Rivalen begann wegen verstopfter Zufahrtsstraßen mit zehnminütiger Verspätung. Der Anpfiff übertönte die Vereinshymne, die noch lief, als die Spieler bereits auf dem Platz standen.

ksta.de

Beiden Mannschaften war angesichts der sportlichen Situation eine gewisse Nervosität anzumerken. Köln wirkte aktiver, tat sich aber wie immer schwer im Spielaufbau.

spox.com

Beide Mannschaften schienen im 76. Rhein-Derby vielmehr darum zu konkurrieren, wer die meisten Fehlpässe macht oder am harmlosesten ist.

welt.de

Reus bekam kurz nach der Mittellinie von Arango den Ball und machte sich auf und davon. Weder Geromel, noch Mohamad konnten den Ex-Ahlener stoppen, der sein herrliches Solo aus 20 Metern mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck krönte.

Kicker

Was wir hörten, waren Pfiffe. Gegen einen eigenen Spieler. Ungefähr ab der 60. Minute bis zu seiner Auswechlsung in der 75. Minute wurde der Kölner Womé bei jedem einzelnen Ballkontakt ausgepfiffen. Gellend. Im eigenen Stadion. Vom eigenen Publikum.

Spielbeobachter

Womé, P. : 4
Ließ sich schon in der Anfangsphase von Gegenspieler Herrmann den Schneid abkaufen. War zwar über weite Phasen zumindest bemüht, das Spiel über seine Seite anzukurbeln, doch die langen Bälle und Flanken waren zumeist harmlos. Das Kölner Publikum hatte ihn dann in der zweiten Halbzeit als Buhmann auserkoren und bedachte jede seiner Aktionen mit Pfiffen.

sportal.de

Die Fans rufen „Soldo raus“ (72). Und jubeln acht Minuten später: Ecke von Tosic, der Ball kommt zu Maniche. Der hämmert das Ding aus 20 Metern mit 95 km/h in den Winkel, 1:1 (80.).

bild.de

Denn im Anschluss drängte der FC auf den Siegtreffer und hatte durch einen Schuss von Novakovic (80.) die mit Abstand beste Chance der Schlussphase. Auf der linken Strafraumseite kam der Slowene zum Schuss, setzte den Ball aber aus spitzem Winkel knapp rechts neben den Pfosten. So blieb es am Ende bei der leistungsgerechten Punkteteilung im Traditionsderby.

1. FC Köln

Langsam muss man sich allerdings die Frage stellen, warum diese Mannschaft nicht zusammen spielt, warum sie übernervös spielt und nach 2 Drittel der Saison der eine noch nicht den Laufweg des anderen kennt.

Samba Köln

Dabei konnten die Borussen eigentlich mit Zuversicht nach Köln fahren: Zuvor hatten sie 20 der vergangenen 37 Begegnungen beim Erzrivalen gewonnen, davon sechs der neun letzten Begegnungen.

zeit.de

Zahlen und Daten

Platz: 13
Punkte: 28
Tore: 23
Gegentore: 34
Nächster Gegner: Hannover 96

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