Das Spiel gegen das Vorbild

Gelsenkirchen 2 Matip, 45.+1
Farfan, 81.
Köln 0 Fehlanzeige

Zum Glück war Karneval am letzten Wochenende. So hatte ich doch ein wenig was zu Feiern. Schalke gegen Köln ging fast komplett an mir vorbei. Abends auf dem Sofa habe ich das Ergebnis gesehen… und nur zur Kenntnis genommen. OK, ist klar. Abgehakt. Eine erwartete Niederlage halt. Gegen den Tabellendritten darf man verlieren. Kein Problem.

Mittlerweile habe ich mir ein paar Texte zu Gemüte geführt und sehe, dass wir mit etwas Glück und mehr Spucke zumindest den einen Punkt sicher gehabt hätten. In der Hinserie hätte wir das null zu null wahrscheinlich sogar nach Hause geschaukelt. Nicht, dass diesmal grobe Defensivschnitzer (wie gegen Augsburg) zu der Niederlage geführt hätten. Aber es beschleicht einen das Gefühl, dass dann so ein Freistoß, wie beim 1:0 nicht seelenruhig durch den Strafraum gesegelt wäre und beim 2:0 Mondragon irgendwie noch an den Ball gekommen wäre.

Dabei hatte Soldo reagiert. Respekt!
Womé blieb nach zwei haarsträubenden Spielen draußen. Schorch durfte beginnen. Er tat sich in einer schwachen Elf schwer. Aber gebt dem Jungen wieder zwei oder drei Spiele am Stück, dann verteidigt er auch wieder so solide, wie in der Hinserie.

Warum unser Trainer aber Podolski gebracht hat, bleibt ein Rätsel. Vielleicht hat er auf eine Trotzreaktion gehofft. Nur blieb die aus und so sieht Soldo schlecht aus. Erst recht, weil er für den Prinzen Sebastian Freis geopfert hat. Einer der Knackpunkte, warum es für uns zuletzt (in der Offensive) so gut klappt. Ein Kampfschwein wie er, hätte uns in Gelsenkirchen gut zu Gesicht gestanden. Aktuell gehört Freis einfach in die erste Elf. Poldi muss sich mit Kurzeinsätzen für mehr empfehlen. Dann als hängender Stürmer.

Aber da bleiben die Probleme. Wie sieht dann die Taktik aus?
Alle schreien nach Podolski als Stammspieler hinter Novakovic. Tosic wird auch lautstark gefordert. Chihi ist ohnehin unumstritten. Maniche gehört in die erste Elf. Petit findet gerade zu starker Form und war am Samstag wohl bester Feldspieler beim Eff Zeh. Macht summasummarum sechs Spieler. Plus der fünf aus der Defensive sind das elf. Passt also!

Passt also?
Passt nicht!

Denn damit hätten wir einen eingeschlagenen Weg verloren. Pezzoni hat sich bravourös in die Mannschaft gekämpft. Er war die Hinrunde über konstant besser als unsere beiden Portugiesen. Zudem gibt er den beiden ungemein Platz, indem er sie ohne Allüren abschirmt. Er spielt nicht spektakulär, aber effizient und konstant. Er kommt meistens zu schlecht weg, weil er unauffällig ist. Aber wir brauchen so einen Arbeiter. Gerade jetzt, wo die Defensive wackelt, muss vor der Abwehr jemand stehen, der abräumt. Petit und Maniche sind da eher einen Tick offensiver eingestellt.

Auch wenn Soldo Herrn Freis nicht richtig mag, so hat er sich seinen Platz verdient. Er gehört aktuell zu den besten Kölnern. Aufwachen Leute. Tosic, Poldi, Maniche etc. sorgen für schönen, offensive und teils spektakulären Fußball, aber wir befinden uns noch immer im Abstiegskampf. Da braucht es Kämpfer. Leute, wie Freis. Der dann zudem noch 2010 ein Tor geschossen und zwei weitere aufgelegt hat.

Schon wären wir bei dreizehn und nun gibt es ein Problem.
Zumindest für mich, denn ich befürchte, Soldo sieht das anders und wird Pezzoni und Freis opfern. Opfern für ein paar Halodris, die (noch) nicht in Form sind und defensiv (mehr) Schwächen haben. Das könnte böse enden…

Vielleicht sollte sich Köln ein Vorbild am Gegner nehmen. Magath hat da eine junge Elf aufgebaut, die abwarten. Denen er eingeschleift hat, nicht die Flucht in der Offensive zu suchen. Die überlegt steht und dann eiskalt zuschlägt. Das geht halt nicht nur mit Schönspielern und Offensivkünstlern. Dafür bedarf es Spieler, wie Pezzoni oder Freis.

Stimmen

Die Domstädter traten vorsichtig auf, konnten dabei die beste Defensive der Liga nicht wirklich fordern und versuchten ihr Glück meist mit langen Bällen auf die Spitzen Novakovic und Podolski.

Kicker

Schalke steht sicher auf dem dritten Rang und hat mittlerweile sogar das eigene Publikum daran gewöhnt, dass erst nach dem Schlusspfiff gejubelt wird. Zuvor arbeitet Magaths Mannschaft Fußball, man könnte auch sagen: Die Gelsenkirchener tun beinahe alles dafür, dass kaum Fußball stattfindet. Irgendwann gehen sie dann durch eine Standardsituation in Führung.

ksta

Lukas Schmitz zirkelte einen Freistoß aus dem halbrechten Mittelfeld in den FC-Strafraum, wo Joel Matip zum Kopfball ansetzen konnte, der unhaltbar für Faryd Mondragon im FC-Netz zur glücklichen Pausenführung für Königsblau einschlug.

1. FC Köln

Petits Versuche, Linie ins Spiel zu bringen, verpufften angesichts der schwachen Form der Angreifer, lediglich Chihi vermochte Gefahr zu versprühen. Und wurde in der 56. Minute elfmeterreif von Lukas Schmitz gefoult. Soldo: „Das war wohl ein Elfmeter. Aber“, so der Trainer im Rückblick auf das Pokalspiel von Augsburg, „in dieser Hinsicht haben wir momentan wenig Glück.“

Kicker

Der FC blieb über 90 Minuten blass – trotz Poldi. Aber Soldo hatte Lukas Podolski wieder ins Mittelfeld gesteckt. Eine Position, die er beim FC noch nie wirklich mit Leben füllen konnte. Der Prinz ist Stürmer und brillant als hängende Spitze.

Werbebock

`Es ist klar, dass Druck auf ihm lastet. Ich glaube, wir haben das alles unterschätzt. Dass er absolute Klasse hat und für uns den Unterschied machen kann, weiß jeder. Wir haben nach wie vor Vertrauen´, sagte FC-Manager Michael Meier in der Halbzeit-Pause bei Sky.

11 Freunde

Für die Kölner endete mit der Niederlage in Gelsenkirchen eine stolze Serie. Acht Ligaspiele hatten sie zuvor auswärts nicht verloren, die letzte Niederlage auf fremdem Platz datierte vom 30. August des vergangenen Jahres. Die Schalker dagegen stellten einen Vereinsrekord auf: Sechs Heimspiele nacheinander haben sie nun gewonnen, ohne ein Gegentor zu kassieren.

ksta

Zahlen und Daten

Platz: 13
Punkte: 25
Tore: 20
Gegentore: 26
Nächster Gegner: VfB Stuttgart

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