Neue Stürmer braucht das Land

Fußball-Bundesliga, 20. Spieltag
Samstag, 30. Januar 2010 15:30

In Frankfurt bettelt Michael Skibbe schon lange seinen Verein an, um doch noch einen Stürmer zu bekommen. Mit Kündigung hat der Gute schon gedroht, nachdem sich seine Eintracht einen Gekas nicht leisten konnte. Pipi standen ihm in den Augen, weil sein Verein finanziell nicht konkurrenzfähig sei. Dann kam Halil Altintop.

In Köln fehlt seit dem Sommer eine Kreativkraft. Nach den Ausfällen von Podolski und Novakovic war das Geschrei groß. Ein neuer Stürmer muss her. Er kam nicht. Aber immerhin der Kreative. Zoran Tosic heißt er also, der sich nun beweisen soll.

Eine glückliche Woche also für beide Trainer. Sowohl Skibbe, als auch Soldo haben seit dieser Woche eine Alternative mehr für die Offensive. In Frankfurt ist es sogar mehr als das. Hier wurde eine echte Verstärkung geholt. Beim FC muss man sich das hochgelobte Talent erstmal näher anschauen.

Wo soll das noch hinführen? Die Eintracht liegt auf Rang sieben und Köln hat den amtierenden Meister besiegt.
Am Samstag treffen beide Teams aufeinander.

Kein ganz uninteressantes Match. Frankfurt liegt in der Heimtabelle auf Platz sieben. Platz sieben nimmt Köln in der Auswärtsrangliste ein.
Die Eintracht kann recht gelassen ins Spiel gehen, Köln täte ein Sieg ganz gut, um den Abstand zu den Kellerplätzen weiter zu vergrößern, weil nach der Partie fünf Brocken warten. Frankfurt hat zuletzt in Bremen gesiegt, aber gegen Nürnberg nur einen Zähler ergattert. Innerhalb der Woche hat Christoph Preuß sein Karriereende bekannt gegeben. Ein Sieg für den scheidenden Teamkollegen also?

Diese Aufstellungen erwarte ich für Samstag

Nikolov
Jung – Franz – Russ – Spycher
Teber — Chris
Ochs ———– Köhler
Meier —- Altintop

Novakovic
Chihi ————— Freis
Maniche ——– Petit
Pezzoni
Womé – Geromel – Mohamad – Brecko
Mondragon

Skibbe hat eigentlich kaum einen Grund zum Wechseln. Schwegler fehlt verletzt, für ihn rückt Chris wieder ins Team. Altintop wird gegen Köln dabei sein. Ob von Anfang an, bleibt noch abzuwarten. Aber durch die Vorbereitung unter Magath, sollte er vor Kraft strotzen. Er könnte sofort weiterhelfen. Er scheint mir treffsicherer als Liberopoulos, so dass ich Altintop schon in der Startelf sehe. Dagegen hat der zweite Neue Ricardo Clark noch Trainingsrückstand.

Beim FC kehrt Novakovic zurück. Da sich Yalcin beim starken Auftritt gegen Wolfsburg nicht aufdrängen konnte, fällt die Entscheidung für Soldo leicht aus. Yalcin raus und dafür Nova rein. Freis rückt dann auf den rechten Flügel und Chihi nach links. Ich hätte es spannend gefunden, wie Soldo reagiert hätte, wenn auch Yalcin ein Mörderspiel absolviert hätte. Sei’s drum. In der Defensive wird sich nichts tun, trotz der letzten Aussetzer. Aber Mondragon und Geromel werden wieder mehr Stärke zeigen müssen.

Das sagt der Gegner

Diesmal freue ich mich, dass Stefan vom Blog-G Zeit gefunden hat, sich meinen Fragen zu stellen. Die Antworten musste er schon recht früh abgeben. Vor dem Transfer von Altintop.

Spielfeldrand: Erstmal Glückwunsch zu euer tollen Saison bis dahin. Damit hätte ich vorher in der Form nicht gerechnet. Was macht euch im Moment so stabil?
Stefan: Die mannschaftliche Geschlossenheit, der Glaube an sich selbst und die Schwäche der Gegner.
Hinzu kommt das Quentchen Glück, das eine Mannschaft braucht und das den Unterschied von Platz sieben zu Platz 14 ausmacht.

Spielfeldrand: Euer Sturm ist gut besetzt, nur leider vom Verletzungspech verfolgt. Amanatidis und Fenin werden noch eine Weile fehlen. Korkmaz braucht wohl auch noch etwas Zeit, bis er wieder richtig fit ist. Warum bringt Skibbe bei so einem Engpass in der Offensive nicht auch mal einen jungen Stürmer, wie Alvarez? Zumindest als Einwechselspieler könnte er solche Leute mal im Wettkampf sehen.
Stefan: Weil er offensichtlich den jungen Spielern noch nicht zutraut dann ihren Mann zu stehen, wenn’s eng wird. Und eng sind die Spiele von Eintracht Frankfurt eigentlich immer. Bisher konnte nur in Berlin und Freiburg mit mehr als einem Treffer Unterschied gewonnen werden. Selbst in Freiburg fiel das 2:0 erst in der letzten Spielminute.

Spielfeldrand: Ohnehin hat es mit Skibbe in den letzten Wochen ein wenig gekracht, weil er neue Spieler gefordert hat, die er nicht bekommen (Gekas) hat. Ich war überrascht, dass Skibbe mal so deutlich und offen seine Meinung sagt. Er hat ja sogar mit Rücktritt gedroht. Ist so eine Aussage auch mal positiv zu bewerten, da er ja die sportliche Verantwortung trägt oder hat Skibbe deiner Meinung nach dadurch nur Unruhe rein gebracht?
Stefan: Skibbes Absicht ist es wohl, die etwas konservativen Strukturen bei Eintracht Frankfurt ein wenig aufzubrechen. Das gehört nur bedingt zu seinen Aufgaben als Trainer, auch wenn er am Ende den Kopf hinhalten muss. Sportdirektor im klassischen Sinne ist er ja nicht. Trotzdem ist es gut und wichtig, auf Missstände hinzuweisen. Die Frage ist, ob es in dieser Form und in der Öffentlichkeit geschehen muss – immer wieder geschehen muss. Die Frage ist, warum er dies immer nach Niederlagen seiner Mannschaft tut. Immer dann, wenn’s läuft, hört man so etwas von ihm nicht. Zumindest nicht öffentlich. Aber ja – einiges von dem, was er angesprochen hat, ist durchaus richtig. Und wichtig ist nach der Ära Funkel wohl auch eines: Es kommt bei den Fans an. Skibbe gibt dem Affen Zucker. Nicht ungeschickt. Die Auswirkungen sind auch durchaus sichtbar. Die Fankurve platziert bereits Banner mit der Aufschrift „Skibbe – wir stehen hinter dir!“. Der Plan scheint zumindest in dieser Richtung aufzugehen.

Spielfeldrand: Immerhin hat er Ricardo Clark einen neuen Spieler erhalten. Keinen Stürmer, sondern einen für’s defensive Mittelfeld. Eine gute Wahl und was erhoffst du dir von dem US-Nationalspieler?
Stefan: Ich kenne Clark nicht. Trotzdem könnte seine Verpflichtung gerade im Moment gut sein – immerhin hat sich Pirmin Schwegler, neben Chris der wichtigste Akteur der Eintracht in der Vorrunde, gerade schwer verletzt. Trotzdem bin ich erst mal skeptisch. Clark hat seit November nicht mehr gespielt, er wird von Skibbe „Perspektivspieler“ genannt, eine Bezeichnung, die mich stutzig macht. Immerhin ist Clark keine 18 mehr. Außerdem frage ich mich immer, wie ein wirklich guter Spieler jahrelang in den USA nicht entdeckt werden konnte. Abwarten, logisch.

Spielfeldrand: Die WM 2010 rückt mit großen Schritten näher. Wer aus eurer Mannschaft muss noch unbedingt mit nach Südafrika reisen? Bei Jogi Löw, aber auch in einem anderen Nationalteam.
Stefan: Für Jogi niemand. Eintracht Spieler haben da schlechte Karten, warum auch immer. Patrick Ochs ist sicher nicht schlechter als einiges, was da in der Nationalmannschaft rumläuft, und auch Marco Russ ist immerhin Stammspieler einer Bundesligamannschaft. Mehr, als so mancher der von Löw berufen wird. Die ausländischen Akteure bei der Eintracht sind alles Nationalspieler – bis auf Nikolov, der ist „ewig“.

Spielfeldrand: Am Samstag geht es gegen Köln. Ihr befindet euch in einer guten Ausgangsposition, Köln hat sich in der Rückrunde stark verkauft und durch den Sieg gegen Wolfsburg auch Selbstbewusstsein geholt. Was erwartest du dir von der Partie?
Stefan: Einen Grottenkick von zwei Teams, bei denen nach vorne nicht viel geht. Der Zufall wird auf der einen oder anderen Seite den Ball ins Tor würgen. Irgendwie.

Spielfeldrand: Zu guter Letzt: Wo wirst du die Partie verfolgen und wie lautet dein Tipp?
Stefan: Am Spielfeldrand als Fotograf für die Frankfurter Rundschau. Mein Tipp: 0:0, 1:0, 0:1. In dieser Reihenfolge.

Mein Tipp

Das Hinspiel endete 0:0. In der letzten Saison trennten wir uns 2:2. Frankfurt befindet sich aktuell auf einem kleinen Höhenflug, musste aber gegen Nürnberg Federn lassen. Köln präsentiert sich seit der Winterpause druckvoll und stark verbessert. Eine torlose Partie erwarte ich deshalb nicht. Beide Teams werden sich nichts schenken. Mit Halil Altintop hat Eintracht einen Stürmer im Zentrum, der weiß, wo das Tor steht.

Auf Kölner Seite kann sich Novakovic freuen in eine homogene und motivierte Mannschaft zu kommen. Das Selbstvertrauen ist wieder da. Chihi und Freis dürften über die Flügel Druck machen, das kommt Nova in der Mitte zu Gute. Die beiden Portugiesen setzen aus der Zentrale endlich auch mehr Akzente. Nur muss sich die Defensive wieder stabilisieren.

Es wird eine enge Partie. Hier wird gebissen, sich nicht versteckt und der Abschluss gesucht. Am Ende steht es 1:1

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