— weerke

Proteste gegen den Mietwahnsinn

Heute sind tausende Hamburger wegen der stetig steigenden Mietpreise auf die Straße gegangen. Der Protest richtet sich dabei gegen die Wohnungsgesellschaften und Vermieter. In den letzten Jahren sind die Mietpreise rapide gestiegen und viele Wohnungen sind für einen Teil der Hamburger nicht mehr bezahlbar.

So sehr ich die Proteste nachvollziehen kann, so darf man die Geschichte nicht nur blind aus der einen Perspektive betrachten. Denn natürlich ist es wünschenswert günstigen Wohnraum zu erhalten und in schöner Lage für wenig Geld zu wohnen. Preise können auch nicht mit den meisten deutschen Städten verglichen werden. Doch die meisten anderen Orte in Deutschland bieten auch nicht das, was die Hansestadt bietet.

Wer hier lebt, der weiß, was er von der Stadt hat. Es gibt nur wenige, die hier unbedingt wieder wegziehen wollen. Weil Hamburg mehr ist als eine Metropole. Es ist eine Großstadt mit all den Annehmlichkeiten, die man sich von selbiger erwartet. Aber Hamburg ist auch Erholungsort mit Hafen, Alster und Stadtpark. Hamburg ist grün und ein perfekter Ort zum Leben und Arbeiten.

Arbeiten ist genau das Stichwort. Denn die Vermieter sind ebenfalls Arbeitgeber. Und Unternehmen. Firmen, die gewinnorientiert arbeiten wollen und auch sollen. Sie müssen schauen, dass sie aus ihren Produkten das Optimale herausholen. Sie müssen Einnahmen generieren und möglichst hohe Gewinne erzielen.

Ich behaupte, dass viele, die heute protestiert haben, ebenfalls gern das bestmögliche Gehalt erhalten wollen für ihre Leistungen. Ob sie dadurch überbezahlt sind (wenn sie es sind oder wären), dürfte dabei egal sein. Ich glaube, dass kaum jemand seine Arbeit freiwillig für weniger Geld anbieten würde, wenn er mehr erhalten könnte.

Die Vermieter handeln ganz klar nach einem Nachfrage-Angebot-Prinzip. Solange es Mieter gibt, die die teureren Mieten bezahlen, werden sie auf dem Niveau bleiben. Warum sollte man sie aus reine Gutmütigkeit verringern? Natürlich kann man sagen, dass Mieter die Mieten oftmals bezahlen und an anderen Stellen sparen müssen. Weil sie hier leben und arbeiten wollen. Aber ist das wirklich das Problem den Unternehmens, das seinen Gewinn optimieren möchte?

Ich finde die Proteste gerechtfertigt und ärgere mich auch teilweise über die hohen Mietpreise bei der Wohnungssuche. Aber man sollte die Angelegenheit aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Das ist Kapitalismus, ja und viele werden jetzt darauf wettern. Aber wer würde es anders machen?